die Reise

Aus welchem Grund will ich diese Reise unternehmen
(vom 15.01.2011):
Die Idee zu meiner Reise kam mir während einer heißen Diskussion innerhalb meiner Familie (Eltern und Schwester). An diesem Abend hatte ich das Gefühl, dass wir zwar oft unzufrieden sind mit unserem Leben, aber bei den wirklich wichtigen Dingen ständig Angst haben vor den nötigen Schritten und ihren Konsequenzen. So drehen wir uns ständig im Kreis immer um unsere Probleme herum.
Sekunden nachdem ich dies so deutlich wie noch nie zuvor erkannte, fasste ich den Entschluß, wenigstens zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen. Sofort danach kam mir auch die Idee mit Afrika, die ich nun schon seit acht Wochen konkret verfolge.
In den letzten Jahren hatte ich ein paar wenige Male mit ähnlichen Gedanken gespielt, sie dann aber immer wieder schnell als Träumereien abgetan. Jetzt erscheint es mir so, als wenn mir früher einfach der nötige Mut der Verzweiflung fehlte, über den ich jetzt zweifelsohne verfügte, denn viel erwarte/erwartete ich nicht mehr vom Rest meines Lebens.

Die erste Idee war also, die Angst zu überwinden. Ich glaube in erster Linie steht da bei mir die Angst vor dem Verlassenwerden, da ich als Baby und Kleinkind zwei Mal alleine im Krankenhaus war. Vielleicht muss es deswegen Afrika sein, weil dieser Kontinent wie kein zweiter das Dunkle, Mystische und Unbekannte repräsentiert. Ich würde mich also in eine ähnliche Situation begeben, wie damals im Krankenhaus und jetzt im besten Falle erfahren, dass ich damit fertig werde.
Darüber hinaus kann ich die Gelegenheit dazu benutzen, meine alte Wohnung und mit ihr meine alten Möbel loszuwerden. Erstens stünde mir mit dieser Wohnung, wenn ich sie nicht rechtzeitig verlasse, eine Generalrenovierung bevor, und da es sich um einen Altbau unterster Güte (Ofenheizung, keine Dusche etc.) handelt, habe ich dazu überhaupt keine Lust. Zweitens kann ich mit der alten Wohnung und Einrichtung, für die ich noch etwas Geld für die Reise zu bekommen hoffe, auch gleich mein altes Leben zurücklassen.

Ein anderer Punkt, der immer wichtiger wird, ist, dass ich auf einer Reise, wie ich sie plane, also ohne viel Komfort möglichst oft im Zelt übernachten, viel weniger Möglichkeiten der Ablenkung habe. Dazu zählen bei mir meistens Fernsehen, Internet und Lesen, also alles, was man alleine zu Hause machen kann. Diese „Ablenkungen“ dienen mir dazu, mir die Zeit zu vertreiben, während ich versuche, alles zu vermeiden, bei dem ich Wut und Aggression verspüre.
Die Mechanismen der Aggressionsvermeidung sind dabei recht zahlreich und für mich oft schwer zu erkennen, besonders, wenn ich unter Menschen bin. Ich verspüre schon einen starken Druck, möglichst „nett“ zu wirken, wenn ich durch das offene Fenster Stimmen auf dem Hof höre. Seit gestern weiß ich auch, dass mir auch meine Lethargie und „Traurigkeit“ genau dazu dienen, darüber hinaus sämtliche körperlichen und geistigen Verkrampfungen, also wenn man sich nicht von bestimmten Gedanken lösen kann.
Diese Mechanismen werden natürlich auch auf der Reise weiter funktionieren, obwohl ich schon oft gemerkt habe, dass ich entspannter werde, sobald ich Deutschland verlasse (Komisch, nicht wahr? ;). Sie führen im Übrigen auch dazu, dass fast alle Menschen, denen ich begegne, mich meiden oder gar verachten. Das ist natürlich auf Dauer sehr schmerzhaft, was mich dann wieder dazu verleitet, die Einsamkeit zu suchen. Hier hätte ich unterwegs die Möglichkeit, mit dem Zelt abgelegene Orte aufzusuchen, oder einfach weiterzureisen, denn ich werde fürs erste auch weiterhin eine Möglichkeit benötigen, mich zurückzuziehen. Allerdings werden sich Kontakte mit Menschen viel weniger vermeiden lassen als zur Zeit, besonders, wenn ich einigermaßen vorankommen will. So werde ich einen stärkeren Anreiz haben, mehr auf Menschen zuzugehen und vor allem habe ich jeden Tag die Möglichkeit, für einen neuen Versuch mit anderen Menschen, falls ich es mir einmal wieder selber versaut habe.

 

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