der (das) Blog

Beitrag vom 08.09.2012, der Text darunter ist damit veraltet:
Ich bin dabei, mich zu verändern, und auch dieser Blog wird sich verändern. Bisher kann man wohl behaupten, dass er vor allem mir dazu gedient hat, mir über Dinge klarer zu werden und mich auch einmal vorsichtig zu trauen, sie auszusprechen. Auf unterbewusster Ebene ging es natürlich auch um ein Hebung des Selbstwertgefühls und Anerkennung durch andere.
So kann ich jetzt aber nicht mehr weiter machen. Ich bin an eine Grenze gestossen und hatte immer mehr das Gefühl, mich zu wiederholen. Das die Besuchszahlen so rapide in den Keller gegangen sind, würde damit jedenfalls gut zusammenpassen.
Die Lektüre des Buches „Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft“ von Alexander Mitscherlich hat mir sehr deutlich gezeigt, dass es immer noch großer Raum zur persönlichen Weiterentwicklung vorhanden ist, weil es immer noch Denktabus gibt. Vielmehr gibt es noch immer viele kindliche Ängste, die ich mit Rationalisierungen und eingeschliffenen Verhaltensautomatismen ständig verdrängt habe.
Wahrscheinlich sollte ich damit aufhören, zu versuchen, mich hier zu analysieren, denn bisher habe ich es noch immer geschafft, dabei Vieles, was sich unangenehm anfühlt, auszublenden. Aber Ich scheine gerade in eine neue Phase einzutreten, weil ich so viele Gefühle zulassen kann, die ich bisher verdrängt hatte. Ich muss mich wohl erst einmal darin einleben, um auch darüber schreiben zu können. Meine bisherigen Berichte erscheinen mir jedenfalls aus heutiger Sicht wie etwas bessere Küchenpsychologie.

Warum schreibe ich diesen (ich weiß: „dieses“) Blog
(vom 16.02.2011):
Lange Zeit schwirrte mir die Idee im Kopf herum, alle meine Erfahrungen und Gedanken, die meine psychische Erkrankung, die depressive Neurose, betreffen, aufzuschreiben.
Natürlich, wie sollte es anders sein bei einem Menschen mit sehr geringem Selbstbewusstsein, sollte es ein großes, allumfassendes Werk werden, welches ein ganz neues Verständnis der Zusammenhänge ermöglichen würde. Denn ich hielt mich schon immer für ziemlich intelligent, was auch nicht verwunderlich war, denn in diesem Punkt haben mich meine Eltern wirklich nicht vernachlässigt und durch schlaue Bemerkungen habe ich schon früh eine dringend benötigte Anerkennung erfahren.

Dennoch war immer klar, dass dies dann auch das einzige Buch, das ich je schreiben würde, geblieben wäre. In meinen Kompensationsträumen hielt ich mich zwar unter anderem für einen großen Politiker, einen Spitzensportler, einen gefeierten Sänger, einen genialen Ingenieur, ja selbst für den neuen Messias, aber eben nie für einen Schriftsteller.
Im Laufe der Zeit musste ich dann einsehen, dass zu einem großartigen Buch wahrscheinlich ein wenig Übung gehören würde, und ich spielte mit dem Gedanken, Leserbriefe an Zeitungen oder ähnliches zu verfassen. Je mehr meine Krankheit dazu führte, dass mein Leben, vor allem was Leistungsfähigkeit im Beruf und soziale Beziehungen betrifft, immer weniger als normal zu bezeichnen war, desto klarer wurde mir auch, dass wirklich große Leistungen in welcher Form auch immer von mir nur zu erbringen sein würden, wenn ich irgendwann einmal endlich so ziemlich „gesund“ sein würde. Je mehr mir allerdings klar wurde, wie viel anders mein Leben dann wohl sein würde, desto mehr wurde mir auch klar, dass ich mich in diesem Fall am allerwenigsten noch mit meiner schon über 20-jährigen Krankheit beschäftigen wollen würde.

Außerdem änderte sich meine Idee des Aufschreibenwollens immer mehr in die Richtung, dass ich mit künstlerischen (stilistischen) Mitteln, viel eher versuchen müsste, meine Gedanken und Empfindungen in ihrer Zwanghaftigkeit und ständigen Wiederholung darzustellen. Dem „normalen“ Menschen irgendwie klar zu machen, dass der Typ, den er für ein Arschloch oder einen Schleimer hält, einfach nicht anders kann.
Auf eine andere Weise wäre auch das, könnte man es auch nur ein wenig in das alltägliche Empfinden der Menschen einbringen, revolutionär, denn irgendwie und irgendwo haben es doch die meisten von uns, gerade in den wirtschaftlich erfolgreichsten Nationen, schon sehr früh mit einem, wenn auch meistens nur partiellem, emotionalen Einzelkämpfertum zu tun. Damit meine ich, dass, seien es Stärken oder Schwächen, Ängste oder Traurigkeit, Wut oder Wunsch nach Nähe, irgendeine Emotion meistens nicht voll gewürdigt werden kann, was dann später zu Problemen im Umgang mit dieser Emotion führt, wenn man sich dieses Defizit nicht klar macht.
Sieht ein Mensch nun ein, dass er nicht anders konnte, weil er nichts dafür konnte, so würde durch diese Einsicht auch jeder Einzelne sich selber ein wenig seine ihn (oder sie) am meisten störenden Fehler verzeihen.
Um so eine Wirkung zu erzeugen, wäre aber wiederum wenigstens ein epochemachendes, literarisches Werk à la „Ulysses“ von James Joyce notwendig. Die nötige Genialität jetzt mal vorausgesetzt, würden ein paar Leserbriefe als Übung dafür schon erst recht nicht genügen.

An dem Abend nun, an dem ich mich spontan für die Reise entschied, scheine ich einen schon seit zwei Jahren sich abzeichnenden Schritt endlich getan zu haben, und nun warte ich nicht mehr, sondern ich fange an.
Plötzlich schien es mir, dass die Form eines Blogs sehr passend sei für das, was ich erreichen möchte und kann. Hier kann ich immer dann schreiben, wenn mir danach ist und selbst, wenn man einmal nicht viel zu sagen hat, kann man doch auch mit einem kleinen Beitrag einen kleinen Erfolg für sich verbuchen, und muss nicht lange auf ein Ziel hinarbeiten, das einem am Ende dann doch wieder fragwürdig erscheint, weil sich die eigene Sicht inzwischen doch wieder verändert hat.
Außerdem hoffe ich, dass auf diese Weise ohne große Planung der angestrebte Effekt erzielt wird, dass der Leser von ganz alleine wiederkehrende Gedanken und Gefühle, aber auch neue Entwicklungen entdecken kann.
Als Leser wünsche ich mir dabei vor allem Menschen, die, wie ich nun schon so lange, daran verzweifeln, dass ihre Welt nicht so funktioniert wie sie gelernt haben (oder sich wünschen), dass sie funktionieren müsste. Denen es genau so schwer fällt wie mir, zu begreifen, dass es eben nicht so ist, wie „alle“ immer behaupten, dass „das doch bei jedem so ist“, und dass es sehr wohl Gründe gibt, für die Probleme die man hat mit sich und der Welt, und das diese Probleme real sind, so unscharf sie einem selbst und erst recht anderen auch erscheinen. (Dazu sei angemerkt, dass die depressive Neurose die einzige psychische Krankheit ist, von der ich je, von einem anerkannten Wissenschaftler wohlgemerkt, gelesen habe, dass sie unter Psychologen nicht sehr beliebt in der Behandlung ist.)
Ich selber habe den Schritt in die Therapie durch ein, zugegeben ziemlich populärwissenschaftliches Buch über psychische Probleme und die zu überschwänglich dargestellten Möglichkeiten ihrer „Heilung“ gefunden. Eine Psychologiestudentin hatte mich im Internet sogar vor allzu viel Euphorie gewarnt und dennoch hat dieses Buch ein bisschen zu meiner Entwicklung beigetragen. Sollte ich durch diesen Blog, wenn nicht jetzt so vielleicht, wenn ich ihn schon wieder vergessen habe, bei ein paar Menschen ähnlich geringes hervorrufen können, hätte ich das wichtigste meiner Ziele erreicht.
Nebenbei werde ich mir beim Schreiben und Formulieren noch einmal klarer über ein paar Dinge und außerdem, fühlt es sich gut an, so offen sein zu können, auch wenn es nur in dieser anonymen Form geschieht.

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