2013-05-05 – der Tag vor meiner Reha

5:30 Uhr: die Party in der Kneipe in meiner Straße ist zu Ende, aber bevor die Besoffenen entschieden haben, wo sie nun hin wollen und wer mit wem fährt, dauert es seine Zeit. Schallschutz für mein Fenster hat oberste Priorität.

10:30 Uhr: ich habe meiner Schwester die Leiter zurück gebracht. Sie erzählte mir zwar vom Stress mit ihrer Kleinen, liess es aber natürlich so klingen, als wäre alles in Ordnung. Spätestens, als die Kleine beim Einsteigen ins Auto wieder ihren eigenen Willen durchsetzen wollte, merkte ich aber deutlich, wie gestresst sie war, was sofort zur Folge hatte, dass ich wegen ihrer unterdrückten Wut wütend wurde und die Wut natürlich auch unterdrückte, vor allem mit „Überlegungen“ dazu.
Ich konnte aber ein bisschen merken, dass ich praktisch das Gleiche tat, was mich an meiner Schwester nervt, und konnte ihr Verhalten so ein wenig besser verstehen. Das war auch der Grund, warum ich mich mit „guten Ratschlägen“ und „Hilfe“ zurückhielt. So lange ich selber ganz automatisch genauso reagiere wie sie, ist jede Einmischung kontraproduktiv, weil die dann von mir angestrebte „Lösung“ ja wieder die von mir im Grunde noch gewünschte Wutunterdrückung beinhalten muss. Vielmehr muss ich sehen, dass ich nicht versuche, der aufkommenden Wut durch Rückzug aus dem Wege zu gehen, was bisher die einzige für mich erkennbare Möglichkeit war, diesen unangenehmen Situationen in meiner Familie zu entrinnen.

16:30 Uhr: ich muss an den Satz meiner ersten Therapeutin denken, dass ich immer schlecht drauf wäre, wenn ich bei meinen Eltern war. Wichsen und danach Schlafen ist so typische Verdrängung, dass ich mich nicht wirklich freue, damit meinen Sonntagnachmittag verbracht zu haben. Und noch immer ist „die Wut rauslassen“ nur so eine Idee in meinem Kopf, mit Ausnahme der wenigen Boxschläge gleich nachdem meine Schwester gegangen war.

18:00 Uhr: ich hab´s doch noch geschafft. Habe ein bisschen die Hanteln geschwungen und bin dann mit dem Fahrrad los. Ich war kaum fünf Minuten unterwegs, als mich ein Typ aus seinem Cabrio volllabert. Ich verstand allerdings nicht, was er sagte, weswegen ich nicht wusste, ob er mich überhaupt meint, und dachte, dass er vielleicht telefoniert. Jedenfalls hab ich nicht reagiert und dann versucht, mich nicht hineinzusteigern. Allerdings hat es mich doch wütend gemacht, was ich aber mit ein paar kräftigen Tritten in die Pedale und einer Bemerkung an einen Inline-Skater („Nazi“), der rechthaberisch auf dem Linksfahrgebot bestand, ganz gut in den Griff bekam.

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