2013-04-19 – in der Grübelfalle

21:00 Uhr: heute achteinhalb Kilometer Laufen in ganz gutem Tempo. Anfangs funktionierte es gut und ich machte „alles richtig“, streckte die Brust raus und hielt Kopf und Blick oben. Es war ungewohnt für mich, weil eben auch eine Art der Selbstbehauptung. Nachdem ich aber nach dem menschenleeren Mittelstück wieder Passanten begegnete, war es damit vorbei und ich musste aufpassen, dass ich mich nicht darauf versteifte, was nur zu Anspannung geführt hätte. Ein Gedanke, der mir half, war, dass mich auch als „Trüüschi“ noch Leute (Frauen) mögen würden.

5:00 Uhr: die Vögel sind wach, also bin ich es auch. Draußen herrscht Krieg, drinnen muß ich die erste Entscheidung des Tages treffen: aufstehen oder liegenbleiben. Ein Impuls sagte aufstehen. Gebe ich diesem Impuls nun nach, ist das schon wieder zwanghaft? Egal wie, das „Richtige“ muss getan werden. Da das schon wieder nervt, sich jetzt aber nicht ändern lässt, stehe ich auf. So kann ich besser ein wenig die aufsteigenden Aggressionen loswerden.
In der Küche geht es weiter. Licht an oder aus? Es ist leidlich hell, das Licht würde ein wenig beim Mitbewohner ins Zimmer scheinen. Es ist schon okay. Sie lässt sich nicht verhindern, diese Grübelei. Das Einzige, was ich tun kann, ist, mich so gut wie möglich zu fühlen, dann stresst sie nicht so sehr. Eine Frau wäre dazu nicht übel, die stehen allerdings nicht auf solch unentspannte Typen wie mich.

15:30 Uhr: heute nun kam der Mietvertrag. Natürlich war er nicht unterschrieben, aber das war zu erwarten gewesen.
Beim Einkaufen habe ich wieder versucht, die Selbstbehauptung zu wahren, dieses Mal einhergehend mit dem Versuch, nicht so „böse“ zu gucken. Aus Grübeln und Perfektionismus wurde so wieder einmal Megakontrolle, was spätestens dann nicht mehr zu verleugnen war, als ich Mitbewohner „Alex“ auf der Strasse sah. Ich grüsste nur und ging alleine weiter, weil ich mich durch ihn sehr verunsichert fühlte. Immerhin ist er es, der hier in der Wohnung immer so auf Distanz bedacht ist.

16:30 Uhr: weil es ja nicht so gut lief draußen, bin ich gleich noch einmal mit dem Fahrrad raus. Dieses Mal hab ich keine besondere Strategie verfolgt, sondern nur das gemacht, was bei mir an Grübeln normal ist. Eine Idee war, einfach mal Menschen anzuquatschen, ohne sie anmachen zu wollen. Ich habe mich aber noch nicht getraut, weil mich Rückschläge im Umgang mit anderen ja immer gleich so mitnehmen.
Allerdings konnte ich bei „Alex“ eben schon wieder locker sein. Nur er muss immer ein bisschen Fresse ziehen, so wie das bei vielen Menschen in Deutschland ist, wenn sie jemand anschaut. Vielleicht ist das ihre Art der Selbstbehauptung.

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