2013-04-17

4:30 Uhr: wieder früh auf und wieder hingelegt um sieben.

11:00 Uhr: eigentlich wollte ich gerade etwas Sport machen, aber dann kam „Klaus“ und fragte, ob ich ihm im Garten helfen wollte. Da hab ich mir den Sport dann erspart.

14:00 Uhr: Briefe kamen heute nicht für mich, es waren nur Werbebriefe im Kasten. Die Postler sollen heute aber streiken, vielleicht ja vorrangig in den Briefzentren.

15:00 Uhr: ich hatte nichts zu tun und musste raus. Bei dem Wetter war ein Bummel durch die Stadt angesagt, wo genau war mir dabei weniger wichtig. Vorher schon war der Gedanke aufgekommen, es einmal selbst mit einer Kontaktanzeige oder besser noch, einem öffentlichen Anschlag zu versuchen. Demgemäß freute ich mich sogar auf etwaigen Kontakt mit hübschen Frauen, denn das wäre wegen des unmittelbaren Kitzels ja noch aufregender als über das Internet.
Aber es kam anders (unbegründeter Optimismus ist bei mir nichts Neues): kaum betrat ich die Strasse, stieg meine Anspannung und damit der Druck, sofort ein Mittel dagegen zu finden. An der Reaktion einiger Passanten konnte ich merken, dass es mir auch äußerlich anzusehen war. Wieder einmal spielte eine Rolle, dass ich versuchte, mit der Umsetzung einer gerade entwickelten Strategie, eben der von gestern oder vorgestern, meinen Zustand zu verbessern. Trotzdem es nichts brachte, konnte ich mich nicht davon lösen, sondern wollte den Erfolg erzwingen, womit ich mich selbst und meinen angespannten Zustand permanent abwertete.
Letztendlich landete ich im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, einer noch sehr neuen Bibliothek der Humboldt-Uni, die ich mir schon längst einmal von innen ansehen wollte. Nutzen kann sie nämlich jeder. Dort schaffte ich es, von dem Text, den ich las, auch einiges zu verstehen. Geholfen hat dabei wohl der Umstand, dass ich auf einem Platz saß, auf dem man nur die Rücken der anderen Nutzer sehen konnte.
Als ich auf dem Heimweg mit der S-Bahn schon fast wieder in Lichtenberg war, ließ die Anspannung ein wenig nach. Prompt funktionierte zumindest eine meiner Entspannungs- bzw. Ablenkungsstrategien wieder, wobei es sich um meine liebste, das Denken (oder sollte ich sagen Grübeln?) handelte. Mir fiel in dem Moment auf, dass ich bewußt bisher immer nur Strategien zum Wut- und nicht zum Anspannungsabbau angewendet hatte. Anspannung allein war bisher kein ausreichender Grund gewesen, meine Angst vor Selbstbehauptung zu überwinden. Ich fing sofort in der S-Bahn an, einen Rhythmus zu trommeln. Das Ungewohnte und deshalb Angstmachende daran versetzte mich sogleich in einen wacheren, aber nicht unangenehmen Zustand.
Dennoch ist es wahrscheinlich, dass auch diese „Erkenntnis“, gepaart mit Anspannung und Druck nichts weiter sein wird als graue Theorie. In Hinblick auf meine Reha und die mit ihr verbundenen Praktika sehe ich somit an diesem Nachmittag eher das Problematische: das Ansteigen der Anspannung, sobald ich das Haus verließ, und das Nachlassen derselben erst wieder, als ich bereits auf dem Heimweg war. Dass „Alex“, der junge Mitbewohner, mittlerweile selbst nur noch angespannt ist, wenn wir uns begegnen, verdüstert die Aussichten umso mehr.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 9 - Wieder in Berlin abgelegt und mit , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s