2013-03-16 – Familienstress

12:00 Uhr: meine kleine Nichte soll ihren Pullover vor dem Essen ausziehen und sie will nicht. Meine Mutter rupft ihn ihr halbwegs unsanft runter und das Geschrei beginnt. Nun hat meine Schwester zuviel und bringt meine Nichte, auf die sie jetzt sehr wütend ist, auf den Flur, wo sie sie alleine stehen lässt. Immerhin gibt es keine Tür in der Küche.
Trotzdem kann ich das gar nicht aushalten und gehe zu ihr, nehme sie hoch und gehe mit ihr ins Wohnzimmer. Aber sie beruhigt sich natürlich nicht. Im Gegenteil, je mehr ich versuche, ihr zu erklären, dass es doch zu warm ist für den Pullover, desto mehr windet sie sich und schreit.
Schließlich sagt meine Schwester, ich soll sie runterlassen, was ich auch tue. Jetzt nimmt sie sie und kommt mit ihr wieder in die Küche. Meine Schwester ist total sauer, dass ihre Ruhe beim Mittagessen vorbei ist. Meine Nichte schreit so laut sie kann. Auch meine Mutter beginnt noch an der Kleinen zu zehren, worauf ich sie anbrülle.
Jetzt sind alle Dämme gebrochen und es geht hin und her zwischen mir und meiner Mutter und dann zwischen meiner Schwester und mir, weil ich mich wieder einmal eingemischt habe.

Immerhin konnten wir uns danach schnell wieder vernünftig unterhalten, was in unserer Familie schon ein absoluter Fortschritt ist. Nachdem meine Schwester mit ihrer Tochter in ihrem Zimmer war und meine Nichte sich endlich beruhigt hatte, war sie auch wieder quietschvergnügt. Ich nehme an, dass sie sich ihre komplette Wut rausgeschrien hatte.

15:30 Uhr: ich hole schnell Farbmuster aus dem Baumarkt. Beim Rausgehen an der Info merke ich, was für ein Schleimer ich schon wieder bin. Mit meiner Mutter und meiner Schwester beim Renovieren bin ich mehr oder weniger der Boss, obwohl natürlich meine Schwester sagt, wie sie alles haben möchte. Aber je besser es dort läuft und je mehr Zeit ich mit den beiden verbringe, desto schwächlicher agiere ich scheinbar in der Welt außerhalb der Familie.
Auch mein teilweise schleimiges Lachen habe ich beinahe nicht mehr mitbekommen. Das besagte „Gut laufen“ ist also mit Vorsicht zu geniessen. In beiden Welten zurecht zu kommen ist und bleibt ein Spagat. Ich werde aber weder die eine noch die andere je verändern können.

18:30 Uhr: abends macht meine Schwester sich einen Salat. Ich hatte schon selbst nach etwas zu Essen gesucht und nichts Schönes gefunden. Als ich die leere Schüssel sehe und frage, bietet mir meine Schwester an, mir auch einen zu machen, aber jetzt lehne ich ab.
Das war es wohl nicht allein, was mich wütend machte, aber dennoch kroch es langsam in mir hoch. Beim Zappen spürte ich eine stärker werdende Lethargie. Da es in der Wohnung meiner Schwester aber nichts mehr zu tun gab (die beiden Nichten waren mit ihrem Vater unterwegs), und ich auch keine Idee hatte, wie ich dort die in mir aufsteigende Wut rauslassen sollte, entschloß ich mich zu gehen.
In der U-Bahn reagierte ich mich mit Muskelanspannungen noch ein wenig ab. In der S-Bahn fielen mir dann wieder meine aufgerissenen Augen auf und ich brachte sie in einen normaleren Zustand.
(Ich weiss: so klingt das sehr komisch. Ich hatte hier aber schon einmal über dieses Phänomen – mit einer besseren Erklärung – berichtet und nun erinnerte ich mich daran. Das genügte mir in dem Augenblick, um mir über die genaueren Zusammenhänge keine Gedanken mehr zu machen.)
Dies liess mich sofort traurig werden bzw. meine Traurigkeit spüren. Auch konnte ich ein „Eintauchen“ in diese und somit eine sichere Verdrängung ziemlich einfach verhindern. Als ich in einem Bistro etwas essen war, konnte ich meine Traurigkeit ungewohnt gut aushalten. Als ich fast fertig war, kam mit Stevie Wonder im Radio auch schon eine Aufmunterung.
Es wäre gut, genau so nicht nur etwas Essen zu gehen, sondern diesen Gemütszustand noch weiter unter Leuten auszutesten, um zu sehen, wie sie auf mich reagieren und wie ich damit zurecht komme.

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