2013-03-12 – Atmung unter Kontrolle

21:30 Uhr: das Problem beim Produktivsein ist, dass man ich mich gut fühle dabei, denn dies erinnert mich unweigerlich daran, dass ich mich viel besser gut fühlen würde, wäre ich nicht allein. Ich fühle mich einsam und ich spüre auch das an meiner, dieses Mal stoßartigen Atmung. Das Thema Einsamkeit habe ich auch hier noch nicht oft angesprochen, ich habe es meistens vorgezogen, von Traurigkeit zu sprechen. Der Grund dafür ist wohl, das man Einsamkeit nur überwinden kann, wenn man auf andere Menschen zugeht, worin ich keine Übung habe. Die meisten Menschen wollen auch nicht mit der Einsamkeit anderer konfrontiert werden, wenn sie spüren, dass diese ihre Einsamkeit selbst nicht aushalten, und genau das ist für mich wahrscheinlich noch schwerer, als meine Wut zuzulassen.
Es wird definitiv lange dauern, bis ich damit weiterkomme, denn genauso, wie ich das mit der Wut sehr lange gemacht habe, neige ich oft dazu, mich, wenn ich mich einsam und traurig fühle, richtig dort hineinzustürzen. Das ist aber genau wie auch bei der Wut einfach eine Methode, das eigentlich Gefühl zu verdrängen, und sich nicht damit auseinandersetzen zu müssen. Auf diese Weise kommt man nie weiter.

9:00 Uhr: es läuft ziemlich gut mit meiner Einsamkeitsatmung. Sie erinnert mich immer wieder dran, wie ich mich wirklich fühle. Durch diese Wahrnehmung habe ich einen besseren Kontakt mit mir selber, dabei merke ich aber auch, wie sehr ich mich in diesem Punkt manipuliere. Ständig versuche ich die Empfindung der Einsamkeit von mir abzuspalten, ich verfalle in einen Tunnelblick und einzelne Körperempfindungen geraten stark in den Aufmerksamkeitsfokus. Das ist eigentlich Angst, da ich es aber so sehr gewohnt bin, nehme ich es gar nicht als etwas Ungewöhnliches wahr.
Was mich in diesen Momenten aber sehr nervt, ist, wenn mein Kollege, der selbst ein ziemliches „Würstchen“ ist, versucht, auf schleimige Art lustig zu sein.

11:00 Uhr: es ist vorbei, ich bin zu müde und zu erschöpft (und seit 2 Uhr am arbeiten), um weiter gegen meine übliche Verdrängung anzukämpfen. Das ist eigentlich falsch ausgedrückt, denn selbst diesen „Kampf“ empfinde ich als Selbstmanipulation.
Dennoch bin ich immer noch positiv gestimmt, denn ich war kurzzeitig ein ganz anderer Mensch, ich habe mir selbst bewiesen, das „Ich“ nicht ständig ein Problem für mich sein muss, dass ich anders sein kann. Das gibt auf jeden Fall Kraft fürs weitermachen.

19:00 Uhr: die Atmung ist wieder „unter Kontrolle“. Das nervt tierisch, ab jetzt wird die Wut wieder in meinem Fokus stehen, die Wut darüber, dass ich mich selbst ständig manipuliere. Kein Wunder also, dass ich auch fast ständig wütend bin.
Noch vor zehn Stunden war meine Wahrnehmung dazu eine ganz andere, denn ich war eigentlich fast durchgängig traurig. Jetzt erinnert mich meine Atmung ständig daran, dass ich mich manipuliere, schon allein, weil sie mir so bewußt ist. Wenn ich versuche, etwas zu ändern, manipuliere ich mich schon wieder und die Wut darüber steigt.

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