2013-03-04

4:00 Uhr: ich bin wach und sehr wirr. Jetzt, wo ich dies schreibe, weiss ich, dass ich gestern abend nicht viel Wut aus mir heraus bekommen habe. Deutlich spüre ich, wie die Angst davor, die Wut zu zeigen wächst und wächst, denn ich fühle mich wirr, unruhig und angespannt. Mein Kopf veranstaltet die irrsten Verrenkungen, nur damit ich ja nicht auf die Idee komme, ich wäre wütend. In der Wohnung höre ich meinen Mitbewohner, der sich für die Arbeit fertig macht, und ich habe sofort eine Riesenangst, dass er etwas mitbekommt von meinem Zustand.
Aber gerade das erinnert mich daran, dass ich genau das tun muss, nämlich die Wut herauslassen, auch wenn es jemand mitbekommt. Also ziehe ich mich an und gehe auf die Toilette, denn ich will ein bisschen Sport machen. Dazu laufe ich zuerst immer zweimal die Treppe runter und wieder rauf. Auf dem Flur treffe ich „Alexander“, ich merke, dass er sich wundert, mich so früh zu sehen. Ich erkläre ihm, was ich mache und das dies die Erwärmung sei, „Haha.“, schleimige Lache. Sie fällt mir immerhin auf.
Nach nur ein paar Minuten Sport gelange ich an einen Punkt, wo ich wieder einmal versuche, willentlich wütend zu sein. So verkorkst bin ich, dass ich auch noch ständig versuche, die „richtigen“ Gefühle zu haben. Ich boxe noch ein wenig und höre auf, denn ich merke auch, dass ich ein wenig Wut schon abgebaut habe. Mehr müsste ich vielleicht gar nicht tun, allerdings müsste ich eben IMMER, wenn ich wütend bin, eben auch wenigstens ein klein bisschen tun. Je länger ich warte, umso mehr, und ich habe schon LANGE gewartet.

5:00 Uhr: kaum habe ich den letzten Satz geschrieben, geht es auch schon wieder los. Grübelei und Verzweiflung setzen wieder ein. Ich muss schon wieder Wut rauslassen und will nicht. Verzweifelt grübele ich deshalb, um eine Alternative zu finden. Aber die einzige Alternative, ist, dass ich mich vor einen Zug werfe, und dazu bin ich nie verzweifelt genug. Außerdem richtet sich so die Wut wieder gegen mich, wie schon so oft, und ich bin nicht Schuld daran, dass ich so geworden bin.
Deshalb habe ich auch manchmal viel Lust, jemandem in die Fresse zu schlagen. Aber da dies seltenst eine gerechtfertigte Handlung ist, würde auch dies sich wieder gegen mich selbst richten.

10:00 Uhr: das „IMMER“ allerdings kann ich auf keinen Fall umsetzen, dadurch geriete ich sofort in den Superkontrollmodus, der eben auch zur Verdrängung, in der anstrengendsten Form, dient. Es scheint also wirklich, dass ich mit mir, so wie ich jetzt bin, leben, und trotzdem immer wieder um Verbesserung kämpfen muss, da es ansonsten noch viel schlimmer werden würde.

14:00 Uhr: die Dusche zu putzen war heute etwas aufwändiger. Weil ich immer noch wirr war danach, gönnte ich mir einen Mittagsschlaf.

16:00 Uhr: zum Dusche putzen hatte ich nur keine Lust, mich zum Fahrrad fahren aufzuraffen, kostete dagegen richtig Überwindung. Der Drang mich abzukapseln wird definitiv größer.

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