Munter und mitteilungsbedürftig

Schlafen kann ich noch nicht und Geld ausgeben…

„…geht auch nicht mehr“, wollte ich schreiben, als die beiden Israelis auftauchten, von denen einer mir von ihrem Besuch im Jüdischen Museum und auf dem Holocaustdenkmal erzählte. Er hatte eine Menge zu kritisieren, aber meine Erklärungen dazu milderten sein Urteil doch ein wenig.

Jetzt fühle ich mich etwas allein, weil sie schon wieder um die Häuser ziehen. Das Alleinsein wird mich in nächster Zeit verstärkt beschäftigen. Nachdem ich den „Krampf“ jetzt zulasse, womit es mir sehr gut geht, kann ich das Gefühl der Einsamkeit nicht mehr mit der Ablehnung meines verkrampften Teils vermengen, weshalb es deutlicher zu spüren ist. Abgelehnt werden ist unangenehm, auch wenn man es selbst tut. Zweimal unangenehm und man kann sich das „Passendere“ als Hauptursache herauspicken.

Eine gute und eine schlechte Nachricht: meine Freundin ist so gestresst von Deutschland im Allgemeinen und ihrer Familie im Besonderen, dass sie keinen Nerv hat, um sich mit mir zu treffen. Immerhin bin ich ja auch Deutscher. Sollte sie sich wieder mit unserer Mentalität anfreunden können, bekomm ich vielleicht auch wieder eine Chance.
Sollte daraus aber nichts werden, kann ich mich immerhin damit trösten, dass mir gefühlt jede zweite, junge Schwarze, die ich treffe, tief in die Augen schaut.

Heute war hier in Berlin auch Familienfeier, und ich konnte wieder einmal feststellen, wie überaus bekloppt meine Familie ist. Obwohl ich ja auch lerne, damit umzugehen, kann ich mich gar nicht mit dem Gedanken anfreunden, eine wirkliche Lady in diese Familie mitzunehmen. Wahrscheinlich werde ich sie alle bei einem fiktiven Flugzeugabsturz ums Leben kommen lassen, bis mir eine Lösung dafür einfällt, die ich auch durchhalten kann.
Es kam auch zu einem kleinen Streit zwischen mir und meiner Schwester, weil ich ihre Tochter daran hindern wollte, das Malbuch eines anderen Kindes zu verunstalten. Der Anlass war im Nachhinein unbedeutet, ganz im Gegensatz dazu, dass meine Schwester genau die selben Methoden der Auseinandersetzung anwendet wie meine Mutter. Nämlich solche, die einem schon dabei klar machen sollen, dass eine Auseinandersetzung eine große Belastung für sie ist.
Ungerechtfertigte Schuldgefühle sind damit bei mir unausweichlich.
Mein erster Impuls war, genau das ihr gegenüber anzusprechen, aber zum Glück war der nicht stark genug, denn eine Auseinandersetzung darüber macht nicht nur keinen Sinn, sondern ist in meinen Augen sogar kontraproduktiv. Wenn sie sich in diesem Punkt nicht ändern will, werde ich sie auch nicht dazu bringen. Zudem würde ich einen möglichen Umlernprozess nur behindern, da ich ja selbst noch überall dazuzulernen habe.
Allerdings werde ich in Zukunft solche nervenden Streits immer öfter einfach abbrechen, denn ich kann einen essentiellen Teil von mir, meinen Durchsetzungswillen, nicht als unerwünscht abstempeln lassen.

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