Der Krampf lässt nicht nach

Hallo.
Ich fahre mit meiner Mutter nach Berlin. Sie will wieder ein wenig bei meiner Schwester putzen, die sich immer noch ein wenig schwach fühlt. Ich will natürlich wieder nach Wohnungen oder Zimmern suchen.
Vorgestern habe ich mir von meiner Ärztin ein Attest geben lassen, welches besagt, dass ich mich an meinem neuen Wohnort erst einleben sollte, bevor ich mit der Arbeit anfange. Damit bekomme ich nun vielleicht sogar ein Genehmigung zum Umzug vom Jobcenter, denn in den Antrag kommen noch andere Punkte, wie etwa meine Freundin in Berlin, die eine Zustimmung laut Aussage der Sachbearbeiterin möglich machen.
Leider sind aber im Moment nicht viele geeignete Wohnungen im Angebot, und die, die es gibt, sind so gut, dass die Nachfrage wohl sehr groß sein wird. Heute abend werde ich das schon genauer wissen.

Langsam wird es auch wirklich Zeit, dass ich meine Zelte bei meinen Eltern abbreche, denn ich habe mich mittlerweile schon zu sehr, oft zu meinem Nachteil, an ihre Eigenarten angepasst. So kontrolliere ich mich wieder zu stark, um meine Gefühle damit zu unterdrücken. Es kommt vor, dass ich denke ich müsste mal meine Meinung sagen und genau mit diesem Gedanken unterdrücke ich dann ironischerweise das dazugehörige Gefühl, die Wut, ohne das jegliche Gefühlsäußerung nun einmal witz- und wirkungslos ist.
Ich bin spürbar softer und konfliktscheuer geworden, auch und gerade außerhalb meiner Familie. Meiner kenianischen Freundin gefällt das gar nicht, denn ein Schlaffi ist ihr einfach zu langweilig. Gestern abend hatte sie überhaupt keine Lust, mit mir zu telefonieren, weshalb sie behauptete, gerade einen Film zu sehen, obwohl ich im Hintergrund Computerspielgeräusche vernehmen konnte. Ich stimmte trotzdem zu, mich eben „später“ mit ihr zu unterhalten, war aber sauer darüber, angelogen worden zu sein.
Trotzdem sehe ich diese Sache positiv, weil es mich wieder lebendiger hat werden lassen, dass sie mich so herausgefordert hat. Auf diese Weise gibt sie mir eine Möglichkeit, genau da zu lernen, wo ich besonders viel Nachholbedarf habe. Auch finde ich mich ja selber öde, wenn ich ständig so überaus vorsichtig und „zahnlos“ agiere, als wäre ich ein kleines, von seinen Eltern verlassenes Kind.
Das Irrsinnigste ist, dass ich mir mein zaghaftes Verhalten meiner Freundin gegenüber zuletzt damit „begründet“ hatte, dass ich zuerst IHR Vertrauen zu mir stärken müsste, bevor ich freier, mehr aus dem Bauch heraus, agieren kann. Ich habe mir mit diesem „planvollen“, im Grunde genommen manipulativen Verhalten also wieder einmal selbst ins Bein geschossen.

Auch was die Arbeit betrifft, haben diese mein Selbstwertgefühl schädigenden Rückschläge ihre Auswirkungen gehabt. Denn als ein Arbeitgeber, bei dem ich mich vor kurzem vorgestellt hatte, mich tatsächlich einstellen wollte, bekam ich eines Nachts im Halbschlaf ziemliche Panik, vor dem, was mich unter diesen Umständen dort erwarten würde. Als Konsequenz daraus habe ich mich entschlossen, das Angebot abzulehnen. Zum Glück hatte ich durch das dazwischenliegende Wochenende Zeit, mir das zu überlegen. Obwohl der „anständige“ Deutsche in mir natürlich „geil“ darauf ist, endlich wieder mitmachen zu dürfen, habe ich überhaupt keine Lust darauf, wieder wie ein Zombie durch die Gegend zu laufen, und wegen meiner Krankheit am Ende auch noch wieder gemobbt zu werden. Wenn ich wieder arbeiten gehen sollte, dann mit erhobenem Haupt und auf meine Weise, inwieweit mir das dann auch immer möglich sein wird.
Dazu gehört auf alle Fälle eine Auseinandersetzung, denn wie MAN „richtig“ arbeitet, das weiss „jeder Deutsche“ ganz genau, und jemand, der dazu eine andere Meinung vertritt, kann sich mit ziemlicher Sicherheit sehr warm anziehen. Eine konstruktive Auseinandersetzung scheint mir vorerst unmöglich, weil zu den sehr festgefügten Überzeugungen der meisten in puncto Arbeit auch noch meine grosse Unsicherheit dazukommt und meine „natürliche“ Tendenz, den Leuten zu sehr entgegenzukommen, sprich: in den Arsch zu kriechen.
Soweit sein wird es wahrscheinlich sowieso erst in ein paar Monaten, denn obwohl ich mich auch weiterhin bewerbe, um vielleicht die eine „perfekte“ Stelle zu finden, werde ich das alles mit der mir größtmöglichen Gelassenheit angehen. Amen.

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