Learning by doing

Ich renne wieder durch Berlin. Im Augenblick ist meine Stimmung etwas gedrückt, obwohl ich mich gleich mit meiner Freundin treffe. Am Telefon war sie etwas genervt.
Gedrückt trifft es nicht ganz, besser wäre weggedrückt. Bei einem Erlebnis mit meiner kleinen Nichte, die gerade in ihrer Trotzphase ist, konnte ich zum ersten Mal live erleben, warum das bei mir so ist. Als sie nämlich schrie und meine Mutter sie nicht beruhigen konnte, liess sie sie einfach in der Küche meiner Schwester, welche gerade nicht da war, alleine und machte auch noch das Licht aus. Ich regte mich natürlich auf, ging zu ihr und schaffte es am Ende auch, sie zu beruhigen. Zwischendurch hatte ich aber selber eine kurze Krise, in der ich sehr wütend war, und in der ich nicht mehr bei meiner Nichte und auch nicht mehr bei mir war. Aber es fiel mir auf und ich schaffte es, zurückzukehren.
Genau so war meine depressive Neurose in genau dem Alter entstanden. Ich wurde von meinen Eltern mit nahezu all meinen Gefühlen allein gelassen, und konnte sie als kleines Kind wegen der Angst, die das auslöste, nicht anders bewältigen, als sie von mir abzukapseln. Ich habe meine Gefühle also so behandelt, wie sie von meinen Eltern behandelt wurden, ich habe sie einfach negiert, wodurch sie dann, aus dem Untergrund sozusagen, alles mögliche Unheil anrichten konnten.
Nun muss ich lernen, bei mir zu bleiben, was ich nicht erzwingen kann, denn auch das Depressive ist ja ein Teil von mir, der angenommen werden möchte. Sobald ich diesen ertragen kann, kann ich auch den Mut finden, meine anderen Gefühle anzunehmen.
All dies hat auch die Probleme mit anderen Menschen mit verursacht, denn ich war auch nie wirklich bei denen und ihren Gefühlen, was im Laufe der Zeit bei wirklich jedem Frust auslöst.

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Eine Antwort zu Learning by doing

  1. Meike schreibt:

    Ich fühle insbesondere zu deinem letzten Absatz eine Relation – mir gehts da ein bisschen ähnlich. Ich wünsch dir Kraft und Mut.
    Liebe Grüße!
    Meike

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