„Komm her mein Kind und spiel mit mir“

Sie macht mich verrückt. Da ich schon lange immer wieder ein wenig rumgemotzt habe, waren die Vorzeichen eher versteckt. Aber mein geschultes Auge hat sie natürlich trotzdem gesehen. Jetzt, da meine beiden Nichten hier sind, hab ich das volle Programm ohne Pause. Sie ist über ihnen, lässt sie nicht mehr los. Sie hat ein Programm und das wird jetzt durchgezogen. Sie gehören ihr jetzt. Sie ist der Chef.

Sie ist natürlich meine Mutter, und zum Glück (oder auch nicht) ist die Achtjährige schon zu ihrer Freundin gegangen. Die kleinere freut sich über die ganze Aufmerksamkeit, die Falschheit dahinter kann sie noch nicht sehen in ihrem Alter. Natürlich will meine Mutter den beiden nichts Schlechtes, aber sie instrumentalisiert sie für ihre Zwecke. Wie schon gesagt, sie ist der Chef, sie hat die Kontrolle, und zwar die gesamte. Sie kann nicht anders, denn es ist die beste Art und Weise für sie, einmal aggressiv sein zu können, einmal Druck auf eine akzeptierte Weise abzubauen. Der einzige Haken ist ihre Angst, etwas falsch zu machen (jeder „Fehler“ bedarf eines Schuldigen), und deshalb macht sie das Ganze auch so extrem fertig, und deshalb hält sie es auch nicht wirklich lange durch.

Mich macht sie mit ihrem ganzen Aktionismus und ihrer Hektik, ihrer Ichbezogenheit, mit der sie andere benutzt, extrem aggressiv. Sicherlich, weil ich mich dieser Vereinnahmung gegenüber, die sie jetzt so offen auslebt, so hilflos fühle, wie ich es damals war, als ich das kleine Kind war.
Am liebsten würde ich ihr die Kleine entreißen – meine Mutter irgendwo anbinden, damit meine Nichte sich selbst entfalten, sich selbst überhaupt spüren kann. Das ist natürlich nicht möglich. Der einzig mögliche Weg, wie ich meine eigenen Aggressionen jetzt ausleben kann (da ich auch noch meinen gebrochenen Finger habe und Sport somit ausfällt), ist wohl, das ich in einen Kampf um die Gunst meiner Nichten eintrete, in dem ich versuche, sie möglichst oft aus den Fängen meiner Mutter zu befreien, denn immerhin werden die beiden bis Freitag hier bleiben. Ich bin darin vollkommen ungeübt, aber ich muss es um meiner selbst willen probieren, denn damit kann ich auch eigene Ängste einmal ein wenig deutlicher spüren und ihnen so etwas die Spitze nehmen.

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