Unangenehme Wahrheiten in Serie

3.30 Uhr bei Vollmond in einem zu warmen Zimmer:
Wieder einmal will ich es nicht schreiben, denn es tut mir körperlich weh. Mitscherlich hat mir eine unangenehme Erkenntnis gebracht:
Meine Grübelei und auch die viele Musik in meinem Kopf sind etwas, das er Introjekte nennt. Dabei handelt es sich um übernommene Verhaltensweisen, die man schon in einem Alter übernommen hat, in dem man sich noch nicht einmal voll als eigenständiges Subjekt erfassen konnte. Er schreibt, das Kind könne noch nicht zwischen sich selbst und der Umwelt unterscheiden, was auch dazu führt, dass innere Wahrnehmungen (Gefühle) genauso furchteinflößend sein können, wie äußere.
In dieser Zeit ist man wohl besonders anfällig dafür, ein stark negativ empfundenes Verhalten von Bezugspersonen (v.a. natürlich der Eltern) in das eigene Verhaltens-repertoire mit aufzunehmen. Da man in diesem Alter nicht über die Möglichkeit verfügt, sich von den Schutz gebenden Eltern abzuwenden, ist man gezwungen, sich auch in dem eigentlich abgelehnten Verhalten mit ihnen auf diese Weise zu identifizieren.
Mit „Erklärungen“ (eigentlich ja Blödsinn bei einem Baby oder Kleinkind) und Gesang haben meine Eltern wohl damals versucht, das Gefühl der Fremde mir gegenüber zu überwinden. Da sie die Distanz, die sie sich aus Selbstschutz nicht eingestehen konnten, nicht als den Grund meines ständigen Schreiens erkannten, habe ich dies, genau wie eben beschrieben, in mein Verhalten übernommen.
Heute nerven mich diese oft zwanghaften Gedankengänge und die Musik, aber erst recht meine gelegentlichen Ausraster und deren aggressive Vorstufen, mit denen ich häufig neu kennengelernte Menschen vergraule.
Zum Glück war mein Vater beim seltenen Schlagen nie wirklich brutal (d.h. sadistisch) bzw. hat er, wohl im Gegensatz zum „bloßen“ Herumbrüllen, „nicht früh genug“ damit angefangen, sonst wären meine Probleme heute wohl auch ein Fall für den Staatsanwalt.

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