Rinn in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln

Das tansanianische Mädchen, mit dem ich mich vergnügt hatte, nachdem ich ihr versucht hatte, klar zu machen, daß ich nicht ihr Märchenprinz zu sein gedenke, war wirklich nicht leicht davon zu überzeugen, daß ihr wiederholtes Aufkreuzen in meinem Guesthouse keinen Erfolg bringen würde. Am Ende musste ich etwas grob werden, woraufhin ich mir schwor, keinen Sex mehr in Afrika zu haben, es sei denn, man schleift mich geradezu ins Bett.
Sauer, weil ich am Ende noch fälschlicherweise angenommen hatte, daß sie mich zudem noch bestohlen hätte, setzte ich mich vor einen Kiosk auf eine Bank und genehmigte mir ein Eis und zwei Flaschen Cola (siehe Liste!). Als ich keine Lust mehr hatte, dieses Vermeidungsverhalten fortzusetzen, begann es auch gleich, mir wieder besser zu gehen.
Zwischendurch allerdings bettelte mich ein afrikanischer Verrückter, die hier oftmals frei herumlaufen, ob ihres spezifischen, dreckig-kräftigen Aussehens aber immer gut zu erkennen sind, um eine Zigarette an. Ich sah eigentlich in dem Augenblick nicht wirklich ein Problem darin, ihm eine zu spendieren, da es mich sowieso nur 10 Cent gekostet hätte. Mein deutsche „Prinzipienfestigkeit“ war aber stärker, weshalb ich keinen Ausweg aus der Situation fand, weil er nicht im Guten abzuwimmeln war. Erst als ein tansianischer Passant ihn abdrängte und ihm gleich darauf eine Zigarette kaufte, hatte ich wieder meine Ruhe. Diese Art tansanianischer „Prinzipienlosigkeit“ ist eine sehr angenehme Sache und kann gerade Deutschen als Denkanregung dienen.

Mich brachte es jedenfalls in diesem Augenblick zum Nachdenken, was den weiteren Verlauf des Abends entscheidend beeinflusste. Denn nur wenig später sprach mich ein junge, quirlige Tansanierin von der Seite an, wo sich zufällig der Eingang zur Wohnung ihrer Freundin befand. Wir unterhielten uns ein wenig mit unseren sich spärlich überschneidenden Sprachkenntnissen. Einen Satz auf Englisch, denn sie sehr schnell einstreute, beherrschte sie allerdings recht gut: „We can sleep together tonight.“
Noch ganz unter dem Eindruck meines Erlebnisses mit dem Verrückten, entschloß ich mich, jetzt genau daß Gegenteil zu tun, und mich einfach auf diese Situation einzulassen, da auch ihre Quirligkeit im angenehmen Gegensatz zur Ängstlichkeit meiner letzten Freundin aus Tansania stand und ihr kleiner, knackiger Körper seine Wirkung auf mich nicht verfehlte. Sie hatte auch sogleich die Idee, noch etwas essen zu gehen, wozu sie „ausnahmsweise“ auch mal ein Bier trinken wollte (welches dreimal so teuer wie eine Cola ist), wobei ich auch gleich ihre erstaunliche „Bescheidenheit“ bewundern durfte. Lange Rede, kurzer Sinn: ich war wieder einmal an einen „Golddigger“ geraten.
Sie erzählte mir gleich, wie nebenbei, daß ihr Handy leider vor kurzem ins Wasser gefallen wäre. Dies wurde später dann wieder ein dringliches Problem, das sofortiger Klärung bedurfte, als wir schon halbnackt nebeneinander im Bett lagen. Wie ich dann auch noch feststellen konnte, war sie alles andere als eine Professionelle, sondern hatte sich nur am Morgen mit ihrer Mutter gestritten, wobei es darum ging, daß ihr Bruder nur faul auf dem Sofa liegen könne, während sie arbeiten sollte.
Soweit, so emanzipiert. Allerdings geht sie auch wie selbstverständlich, und wie viele Afrikanerinnen, davon aus, daß der Mann das Geld verdient und die Frau sich um die Kinder kümmert. Das löste bei mir nur noch einen Lachanfall aus. Ich hatte mal wieder genau „ins Schwarze getroffen“.
Eben gerade habe ich ihr nun 12 Euro in die Hand gedrückt, womit sie sich jetzt ein neues Handy kaufen möchte, denn ich möchte mich trotz alledem im Guten von ihr trennen, nur für den unwahrscheinlichen Fall, daß ich keine andere abkriege und es bei ihr doch noch einmal ordentlich „Klick“ macht.

Natürlich fühle ich mich nicht wohl bei der ganzen Sache und glaube inzwischen, daß ich wieder einmal „Opfer“ meiner allgegenwärtigen Wutvermeidung geworden bin (als wandelnder Geldautomat benutzt zu werden, ist nicht angenehm). Aber ich bin auch wieder einmal davon überzeugt, mit meinem spontanen Sprung ins „Verderben“ eine gute Entscheidung getroffen zu haben, denn das Erlebte hilft mir in seiner Eindeutigkeit wieder dabei, schnell dazuzulernen.

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