Frust, Du kotzt mich an

Heute will ich nun unbedingt etwas schreiben, denn ich schiebe es nun schon eine ganze Weile vor mir her, weil ich es in Ruhe machen wollte und nicht unbedingt mit dem Handy.
Eigentlich gibt es wirklich etwas zu berichten, gerade heute aber würde ich lieber meine Probleme vergessen, und mich nicht mit ihnen befassen. Der Post dürfte also etwas holprig werden.

Manchmal, wenn ich nach dem Schlafen noch dösend im Bett liege, habe ich den Drang aufzuspringen, komme mir dann aber blöd vor, weil ich soviel Energie in mir spüre und gar nicht weiss, wohin damit. Ich könnte losrennen, irgendetwas kaputtmachen und laut rumbrüllen.
Das ist meine Wut, aber sie ist so stark „zensiert“, daß ich meistens kein Ventil für sie finde. Wenn ich großes Glück habe oder mir etwas Fantastisches widerfährt, ich also Grund zur Freude habe, wie in meinen ersten Monaten in Afrika, bin ich gutgelaunt und kann das ein oder andere Ärgernis ohne große Probleme runterschlucken oder im Idealfall kontern. Meistens allerdings fühle ich schon beim Aufwachen einen Druck auf meinem Herzen und ich weiß mittlerweile dann, daß ich meine Wut wieder abkapsele. Ich spüre dann keine Aggression, sondern fühle mich matt, lustlos und frustriert.
Zu meinen schlimmsten Zeiten konnte ich mich selbst nicht spüren und wenn ich auf die Straße mußte zum Einkaufen, was mitunter für Tage mein einziger Kontakt zur Außenwelt war, blickte ich nur starr vor mich hin und suchte so verzweifelt nach geistiger Ablenkung, daß ich meinte, meine kreuz und quer im Kopf umherschwirrenden Gedanken schon physisch wahrnehmen zu können.
Im Augenblick geht es mir zum Glück besser und das Verdrängen meiner Wut drückt sich häufig in Frust aus, den alle möglichen Menschen (auch im Internet) abbekommen können. Im Moment fahre ich ganz gut damit, den Frust auch mitunter herauszulassen, denn er bahnt sich doch seinen Weg, ob man es nun will oder nicht. Da ich mir aber frustriert selber unsympathisch bin, habe ich lange Zeit oft versucht, auch den Frust zu unterdrücken.
Jetzt gestatte ich es mir manchmal, frustriert zu sein, auch in einer heute schon den ganzen Tag laufenden Auseinandersetzung mit meiner „Noch-Ex“. Wenn das Gegenüber nicht selbst einen „Schaden“ hat, einen vielleicht auch noch mag, kann es ein wenig Frust abfedern und man hat die Möglichkeit, weiter zu gehen, und genauer zu sagen, was einen stört. Hier in Tansania lachen die Menschen oft einfach nur, wenn man frustriert oder wütend ist, und man muß nicht befürchten, wegen jeder Unmutsäußerung gleich einen Streit am Hals zu haben. In Deutschland kann in so einem Falle dann ja Frust auf Frust treffen, was nur positiv ablaufen würde, wenn sich beide dessen auch bewußt sind.

Ich muß jetzt Schluß machen, denn ich bin zu festgefahren im Kopf. Ich mag das Thema nicht, es kotzt mich, ehrlich gesagt, an. Ich komme nicht weiter, jedenfalls jetzt nicht.

(Die nächste SMS, ergo Auseinandersetzung, und das jetzt, wo ich fast glaube, daß das ich auch deswegen gefrustet bin. Auseinandersetzungen mit angezogener Handbremse schlauchen.)

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