Normalitätstraining

Da wär’n wir wieder.
Eine Erkenntnis bricht sich langsam Bahn: Dieses Mal Afrika ist anders als das letzte Mal Afrika. Warum? Weil es jetzt kein Abenteuer, nichts Neues mehr ist.
Auf dem Hinflug bestand ein Grund für Aufregung in der Tatsache, daß ich ein Leben mit einer Tansanierin plante, was natürlich völliges Neuland für mich war. Jetzt, wo ich mit ihr Schluß gemacht habe, weil sie zu schwach für mich war (ich will ja aufhören damit, ein Schleimer zu sein, da bringt es nichts, wenn ich einen heirate), ist es einfach eine Reise in einem schönen Land, also nichts, worauf ich jetzt besonders stolz sein könnte.
Das war natürlich anders, als ich im letzten Sommer gerade angekommen war. Zur Erinnerung: ich war alleine durch einen berüchtigten Slum in Windhoek gelaufen, hatte bei einer armen, schwarzen Familie übernachtet, als ich keine andere Bleibe fand und war alleine durch die namibische Landschaft gestapft, um auf einem Berg zu zelten. All das und natürlich auch viele der folgenden Erlebnisse waren sehr aufregend, weil komplettes Neuland für mich und ich konnte es bis hin zu meinem Abflug von Nairobi, der mich zurück nach Deutschland bringen sollte, oft kaum fassen, daß ich das wirklich alles gemacht habe.
Jetzt hat sich das geändert. Afrika ist normal für mich geworden und leider ist es auch normal, daß ich die Tansanier, von denen die meisten ohnehin kein gutes Englisch sprechen, weitestgehend meide. Einerseits tue ich das, weil man als Mzungu hier natürlich immer auch aufpassen muß, daß man nicht an Leute gerät, die einen ausnehmen wollen (erst neulich hatte ich wieder einen Fall einer „plötzlich“ auftretenden Malaria bei jemandem, dem ich meine Telefonnummer gegeben hatte), andererseits ist aber auch mein Selbstbewußtsein auf dem Sinkflug, da, obwohl ich auf Reisen bin, doch eine gewisse Gewöhnung einzieht. Natürlich läßt die Freude, die daher stammt, überhaupt in Afrika zu sein, dadurch nach.
Ein noch wichtigerer Grund für meine derzeitige, schlechtere Laune ist aber, und das fiel mir zum Glück gestern auf, die Rückkehr meines Pessimissmuses. Dieser zeigt sich besonders darin, daß ich einfach oft nicht glauben kann, daß mich Menschen mögen und ich so irgendwann einmal meine Einsamkeit überwinden könnte. Da dies alles ein so langandauerndes Denkmuster von mir ist, ist es auch absolut kein Wunder, daß es sich so ausdauernd hält.
Zusätzlich habe ich heute morgen einmal wieder bemerkt, wie sehr ich meine Lebensfreude unterdrücke, was mich immer noch sehr wütend auf meine Mutter macht, deren schlechtgelaunte Art sie mir einst genommen hatte. Ich kann sie nur zurückerlangen, wenn es mir gelingt, sofort prompt zu reagieren, wenn mich jemand ärgert.

Es gibt also noch genug zu tun hier. Besonders sollte ich unbedingt einmal wieder Kiswahili lernen, um auch hier wieder mehr Kontakt und die dazugehörigen Auseinandersetzungen zu bekommen.
Insgesamt sehe ich meine verbleibende Zeit hier als eine gute Übungsmöglichkeit für ein etwas normaleres Leben als im letzten Jahr, welches mich ja auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland erwartet.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 5 - Afrika abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s