„Gemeine“ Afrikaner und „dumme“ Westler

Jetzt bin ich wieder mittendrin. Meine Angespanntheit ist wieder etwas größer, wohl, weil ich an zwei Tagen hintereinander meine Tabletten vergessen hatte, was man vielleicht bei der geringen Dosis, die ich gerade nehme, schneller merkt, und weil ich eine Ohrenentzündung hatte, mit der ich entweder erst hier, in den kühleren Bergen, oder aber gar nicht zum Arzt gehen wollte. Scheinbar bekommt mir das Klima hier nicht so gut, denn das war schon die dritte Krankheit in sechs Wochen Tansania.
Außerdem bin ich wieder einmal in einer Touristenregion gelandet, was man an den verhältnismäßig vielen Weißen für eine Stadt dieser Größe, aber noch viel mehr an den Preisen für Weiße merken kann. Als ich heute, nach endloser Suche, doch endlich einen Laden gefunden hatte, der Eis verkauft, wurde der Preis nachträglich noch einmal durch einen nebenstehenden Angestellten von den üblichen 1300 Schilling, für die ich schon das Wechselgeld in der Hand hatte, auf 2200 heraufgesetzt. Ich verlangte natürlich mein Geld zurück und verabschiedete mich in angemessener Weise. Auch bei den zwei nächsten Gelegenheiten habe ich es nicht geschafft, einen vertretbaren Preis von 1500 zu bekommen. Da ich eine Weile hier bleiben möchte, muß ich aber hart bleiben. Früher oder später wird sich schon herumsprechen, daß ich der geizige Mzungu bin. Heute habe ich mir stattdessen zwei Joghurts für hier supergünstige 25 Cent gekauft.
Viel krasser war allerdings ein anderes Erlebnis: Als ich heute meine Mails checkte, hatte ich scheinbar eine neue von meinem Vater bekommen. Wie sich beim Lesen aber herausstellte, war es ein Fake. Jemand hatte meinen wegen Stromausfalls im Internetcafe offengelassenen Mailaccount dazu benutzt, unter zurhilfenahme der bisher von meinem Vater gesendeten Mails und natürlich des Googleübersetzers (der englische Tippfehler nun einmal nicht übersetzt), eine Mail im Namen meines Vaters zu schreiben, in der er mich auffordert 1000 Euro an einen Freund in Kenia zu überweisen, der kein Geld mehr hat (und den es natürlich auch nicht gibt). Irgendwie haben die Banditen es auch geschafft, als Absender die Emailadresse meines Vaters erscheinen zu lassen. Ich vermute, daß die Angestellte im Internetcafe in solchen Dingen versierte Bekannte hat, denn ihre eigenen Computerkenntnisse scheinen sehr gering zu sein. Man könnte jetzt natürlich zur Polizei gehen, denn immerhin habe ich ja den Namen eines der A****l****r, denn er muß sich ja bei Western Union, über die das ganze laufen sollte, ausweisen, aber ich nehme einmal schwer an, daß das Interesse an einer Verfolgung eher gering sein wird. Mein Interesse an der damit verbundenen Rennerei, und vor allem Warterei, ist es jedenfalls.
Diese Erlebnisse haben mich auch gleich wieder skeptischer gegenüber der hiesigen Kultur werden lassen. Zu allem Überfluß hatte ich auch noch einen Beitrag in einem Blog gelesen, in dem es darum ging, wie die Gefühle weißer Frauen zu Männern aus Kenia skrupellos ausgenutzt werden, um an ihr Geld, oder über eine Heirat sogar an eine Aufenthaltsgenehmigung im Westen zu kommen. Dazu werden den Frauen oft über Jahre Gefühle vorgegaukelt, die so gar nicht vorhanden sind (Link). Auch ich habe schon drei Mal Geld gegeben. Einmal hatte ich zuviel für die Reisekosten meiner namibischen Freundin überwiesen, was mein Fehler war, und sie wurde prompt ausgeraubt, dabei aber nur um das überschüssige Geld erleichtert. Bei meiner sambischen Freundin war am Ende des Monats das Geld knapp, obwohl sie doch eigentlich für ihre Reise mit mir sparen wollte. Und schlußendlich brauchte der Sohn meiner tansanianischen Freundin Nachhilfeunterricht und sie hatte am
nächsten Tag eine neue Handtasche. Letztere hatte dann auch noch versucht, nachdem ich schon mit ihr Schluß gemacht hatte, was sie zu ignorieren versuchte, mich um 250 Euro anzubetteln, weil es Probleme zu Hause gäbe und sie deswegen ausziehen müsse. Die Antwort darauf fiel dann aber eindeutig genug aus, so daß ich jetzt keine SMS mehr von ihr bekomme. Auch wenn ich nicht weiß, wie sehr ich wirklich belogen wurde, ist die auftretende Häufung doch offensichtlich.
Ich will damit nicht sagen, daß die Menschen hier schlechter sind als anderswo, aber sie sind eben, im Durchschnitt gesehen, anders, was ich als in erster Linie kulturell bedingt ansehe. Wenn wir uns im Westen/Europa/Deutschland mit jemandem verbinden, dann geht es uns in erster Linie um eine emotionale Absicherung. Selbst der Sex ist ja auf Dauer besser mit der entsprechenden Zuneigung. Auch wenn wir das nicht so sehen, weil uns diese Erkenntnis zu nahe geht, so „nutzen“ wir doch unseren Partner aus, um uns besser zu fühlen.
Finanziell gesehen und somit existenziell wird man, jedenfalls heute, vom Staat abgesichert. Erst, seitdem das so ist, spielt ja auch die materielle Seite, jedenfalls vordergründig, eine geringere Rolle.
Hier in Afrika sehe ich, wie schon öfter erwähnt, eine größere emotionale Sicherheit der Menschen, weil sie als Kind eine tiefergehende, emotionale Bestätigung erfahren. Somit bedürfen die Menschen als Erwachsene weniger emotionaler Stützen, was sich auch in ihrer Partnerwahl widerspiegelt. Ich habe nämlich den Eindruck gewonnen, daß auch ihre Beziehungen untereinander mehr von praktischen Gesichtspunkten geprägt sind. Der Mann muß, und das habe ich hier so in der Zeitung gelesen, Geld ranschaffen und es im Bett bringen. Die Frau muß gut aussehen, den Haushalt schmeißen und die Kinder bekommen und großziehen.
All das trifft natürlich in Teilen selbst im bei der Gleichberechtigung so weit vorangeschrittenen Deutschland zu. Was ich sagen will, ist ja auch nur, daß sich die Akzente so weit verschieben, daß in der kulturellen Anlernphase Irritationen durchaus normal sind, besonders dann, wenn man sich seine emotionale Bedürftigkeit nicht selbst eingestehen will, sie aber natürlich dem emotional sichereren, hier afrikanischem, Gegenüber sofort auffällt.
Die in dem Link angeführten Beispiele erscheinen uns nur deshalb so krass, weil hier diese unterschiedlichen „Ausnutzungsmuster“ aufeinanderprallen und die uns unbekannte, afrikanische Variante der „Nutzung“ eines Partners ins Extrem gesteigert ist. Afrikaner dürften aber die gar nicht so seltenen Fälle emotionaler Abhängigkeit bei Westlern ebensowenig verstehen, erst recht, würden es sich, wie in den Beispielen, um einen Durchschnittsafrikaner und eine in ihrer Abhängigkeit extreme, westliche Person handeln. Ob solche Fälle allerdings existieren, weiß ich nicht.

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