Eine kleine Befreiung

Die gemachte Erkenntnis bezüglich meines chronischen Pessimismuses nagt nicht an mir. Der Pessimismus nagt an mir. Die gute Nachricht ist, daß ich Zeit habe, mich damit auseinanderzusetzen. Und zwar nicht nur die verbleibenden zehn Wochen hier in Afrika, sondern auch danach. Denn ich werde mir diese Zeit einfach nehmen, auch in Deutschland, obwohl ich jetzt schon weiß, daß der gemeine Deutsche sich damit nicht so wird anfreunden können.
Deswegen ist es nun wiederum gut, daß ich noch Zeit in Afrika habe, um mich sozusagen unter mildernden Umständen einzugewöhnen. Denn ich habe nicht weniger vor, als auch Deutschland mit dem Zelt zu bereisen, wenn irgendmöglich mit Unterstützung der Arbeitsagentur, da ich ja mal eben nebenbei auch auf Jobsuche sein werde. Für mich ist es einfach besser, sich den Ort, seine Menschen und den möglichen Arbeitgeber gleich anzuschauen und nicht erst, nachdem man 300 Bewerbungen geschrieben hat. Außerdem schlage ich so natürlich zwei Fliegen mit einer Klappe, da für mich eine solche Reise in Deutschland ein größeres Wagnis darstellt, als meine Reisen in Osteuropa oder Afrika. Die Deutschen legen bei mir im Kopf einfach Schalter um, die genau jenen oben erwähnten, allgegenwärtigen Pessimismus aktivieren, und sich davon zu befreien, wird gar nicht so einfach werden. Umso mehr, als ich mich ja bewerben werde und im Job ging es mir bisher immer noch am schlechtesten, so daß ich wieder versucht sein könnte, mir selbst die Schuld daran zu geben.

Hier in Tansania gestaltet sich meine zweite Runde Afrika wirklich anders als die erste, eben weil ich nicht vor dem Pessimismus davonlaufen möchte, indem ich ihn einfach mit Ablenkungen sozialer und erotischer Art auszublenden versuche. Zur Zeit versuche ich das, muß aber aufpassen, daß ich mich dabei nicht in eine selbstgebaute Falle verrenne, sollte ich im Laufe der Zeit immer mehr davon überzeugt sein, daß ich mich „niemals“ aus dieser pessimistischen Gedankenstruktur befreien kann. Dann wäre es allerhöchste Zeit, wieder daran zu denken, daß es niemals nur einen Weg aus der Misere gibt.
Das heißt also, daß ich gegenwärtig die meiste Zeit alleine bin, mich aber gar nicht einmal schlecht dabei fühle. Nur daß es dadurch keinerlei Anreiz gibt, Kiswahili zu lernen, ärgert mich ein bisschen, weil ich so eine gute Chance dazu ungenutzt lasse. Das könnte sich aber schon ab übermorgen ändern, denn dann will ich ins Landesinnere und somit natürlich auch in kleinere Städte reisen, wo die Englischkenntnisse der Tansanier erfahrungsgemäß nicht so gut sind wie in Dar.

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