Es wird schon auf alle Fälle schief gehen

„Weißt Du, wie einen ihr ständiger Pessimismus fertig macht?“
„Ja.“, aber mein Vater nahm es mir nicht ab.
„Nein, ich meine, sie zieht einen so richtig runter damit.“
„Ich kenn das.“

Das ich meinte, dass ich es kenne, weil ich selber derjenige bin, der andere runterzieht, sagte ich ihm nicht. Es wurde mir auch nicht sofort klar. Aber dieses Gespräch, welches bezeichnenderweise stattfand, als ich kurz davor war, aus dem Auto zu steigen, nachdem er mich zum Bahnhof gebracht hatte, kam nur zustande, weil ich in den drei Wochen meines Aufenthaltes in Deutschland meiner Mutter wohl zum ersten Mal richtig Paroli geboten habe, wodurch das Vertrauen zwischen uns als gemeinsame „Leidensgefährten“ wachsen konnte.
Seitdem kann ich genau diese pessimistische Einstellung ständig bei mir beobachten, oft auch etwas dagegen unternehmen und mich dadurch sehr viel besser fühlen. Die erste entscheidende Veränderung, die das mit sich brachte, war, daß ich mit meiner tansanianischen Freundin Schluß gemacht habe, weil sie mir zu weinerlich und anhänglich war. Im Grunde genommen war ich nämlich aus meiner pessimistischen Grundeinstellung heraus mit ihr zusammen, immer ängstlich daran denkend, daß ich möglicherweise nie wieder eine ähnlich gute Partie machen würde.
Mit einer positiveren Einstellung aber habe ich auch bessere Chancen bei den wirklich tollen Frauen, da ich nicht sofort, wenn ich sie sehe, davon ausgehe, daß ich sowieso keine Chance habe, und muß keine Kompromisse machen, auf die ich ohnehin keine Lust habe. Es ist verrückt, aber die Erfahrungen, die ich bisher in Afrika gemacht habe, haben auch bei mir zu der weitverbreiteten Einstellung geführt, mich erst einmal mehr an die Frauen zu halten, die auf den ersten Blick keinerlei Interesse an mir zeigen. Das sich das dann bei jemandem wie mir sehr schnell ändern muss, versteht sich ja.
Mit diesem „neuen“ Wissen läßt sich auch meine allzu häufige morgendliche Nieder-geschlagenheit und Lustlosigkeit erklären, denn wenn jemand davon ausgeht, daß der Tag nichts gutes für ihn oder sie bringt, dann hat er/sie natürlich auch keine Lust diesen Tag zu beginnen, sondern schafft es vielleicht erst einmal nur, den Fernseher anzuschalten. Nähert sich der Tag dann langsam seinem Ende hat man also folgerichtig das „Schlimmste“, was einem sowieso passiert wäre, schon überstanden, und die Laune bessert sich automatisch. Der Zeitpunkt dafür hinge dann nur vom Ausmaß der Unheilserwartung ab. An den allerschlimmsten, zum Glück nur selten erlebten Tagen ging es bei mir bis 22 Uhr, was natürlich extrem belastend ist und auch der körperlichen Gesundheit nicht förderlich (an solchen Tagen macht man sich keinen Obstsalat).
Auch die Entstehung dieses Gefühlsmusters ist leicht erklärt, denn schon als Baby lernte ich, daß ich einfach nicht die ungeteilte Aufmerksamkeit meiner Mutter, geschweige denn Zärtlichkeit und Einfühlungsvermögen, erhalten konnte, da sie ja ständig Angst davor hatte, daß etwas Schlimmes passieren könnte, oder davor, etwas falsch zu machen – eben durch und durch pessimistisch. So war es natürlich kein Wunder, daß ich damit anfing, auch genau das zu erwarten, nämlich, daß ich das, was ich brauche, auf keinen Fall bekommen werde.
Es wird definitiv dauern, an dieser festverankerten Grundeinstellung etwas zu ändern. Zum Glück habe ich dazu aber noch fast drei Monate Zeit hier in Afrika, bevor ich mich wieder mit deutschen Miesepetern und Krümelkackern herumschlagen muß. Sollten diese mir am Ende zu sehr auf den Geist gehen, kehre ich Deutschland eben den Rücken und versuche mein Glück mit einem afrikanischen Weib in Afrika oder allein in Polen.

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