Ein „Afrikaner“ in Deutschland

Jetzt bin ich wieder da, wo ich hingehöre. Das Wetter ist heiß, die Menschen freundlich oder nervig, und ich bin voller Pläne.
Seit meinem letzten Posting sind ein paar Tage vergangen, was damit zusammen hing, daß ich als „Afrikaner“ auf einen deutschen Phlegmatikerhaushalt (meine Eltern) stieß und ich afrikanisch reagierte, also ohne die Auseinandersetzung zu suchen. Ich habe die Dinge einfach laufen lassen und auch meine Eltern so gelassen, wie sie sind, und mich zum Großteil mit Völlerei abgelenkt (5 Kilo sind raufgekommen). Mit Ausnahme meines Besuches bei Freunden über Sylvester habe ich mich also in puncto Trägheit voll an meine Eltern angepasst.
Natürlich hat sich so im Laufe der Zeit eine Menge Frust angesammelt, den ich nur sehr begrenzt loswerden konnte. Allerdings habe ich trotzdem so wenig Rücksicht wie noch nie auf die Weinerlichkeit meiner Mutter genommen. Die ständige Inanspruchnahme der ganzen Familie für ihr Wohlbefinden, welche sich darin ausdrückt, daß sie sich ständig unterhalten möchte, ob einen ihr Gequatsche nun interessiert oder nicht, konnte ich aber noch nicht abwehren. Nur ein Mal habe ich sie deswegen angeschauzt und dabei hatte ich unüblicherweise kaum ein schlechtes Gewissen (mirselbstaufSchulterklopf) – ein kleiner Fortschritt.
Bis auf den letzten Punkt, in dem ich noch eine Auseinandersetzung anstrebe, kristallisiert sich immer mehr heraus, daß für mich bei meinen Eltern jetzt nur die Flucht hilft. Das trifft besonders dann zu, wenn ich wirklich mit meiner afrikanischen Freundin eine Familie gründen will, denn dann will ich mich auch wieder mit einem Job versuchen und da kann ich mich dann nicht von morgens bis abends von den beiden runterziehen lassen.
Einen Teil des Frustes, der sich angestaut hatte, hat am Ende dann auch ein Tansanier abbekommen, der versucht hatte, mein Zimmer im Guesthouse zu betreten, ohne daß ich ihn dazu aufgefordert hatte.
Zum Glück hatte ich mir zwei Tage Pause gegönnt zwischen Ankunft in Afrika und dem Wiedersehen mit meiner Freundin, sonst hätte auch sie wohl noch etwas abbekommen von meiner schlechten Laune.

Nachtrag: Natürlich habe ich meine Tabletten jetzt wieder ausgesetzt aus dem bekannten Grunde. Der „kleine Reisende“ ist aber trotzdem noch sehr benommen.

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