Der Afrikaner im Ossi

Vorgestern war es dann soweit. Die Probleme haben sich aufgetürmt und mich „etwas“ aggressiv werden lassen. Nun läßt sich ja hier die Wut nur schlecht rauslassen. Selbst wenn man mal Scheiße brüllt, gibt es schon ein paar Experten, die sich über den Mzungu lustig machen, erst recht, wenn der noch kurze Hosen trägt. Weil ich meine mich bald besuchende neue Freundin nicht als unvermeidlichen Blitzableiter mißbrauchen will, habe ich mich entschieden, mein Medikament wieder einmal ein paar Tage zu nehmen. Dann lass ich sie eher meinen schlappen Schwanz, als meine schlechte Laune ertragen. Schon nach einer Pille mit der kleinsten Dosis konnte ich merken, daß mein Schwanz sich fast schon wie abgestorben anfühlte. Ich hoffe nun, nach vier Tagen genug von dem Zeug in mir zu haben, daß ich bei Stress etwas ausgeglichener bin und nach weiteren vier Tage ohne Medikament auch wieder einen halbwegs akzeptablen Ständer zu bekommen.

Nun aber mal zu etwas anderem, denn wir ihr sehen könnt, gab es ja schon eine Beschwerde wegen der Einseitigkeit des Themas. Wie der regelmäßige Besucher ja weiß, hab ich es ja nicht so mit den allzu touristischen Aktivitäten, da diese mir zu elitär und aber vor allem zu teuer sind. Ich will ja eine möglichst lange Zeit in Afrika verbringen und kann deshalb mein Geld nicht zum Fenster hinaus werfen. Ich beschäftige mich meistens mit ganz profanen Dingen. Da ich ja häufig in neuen Orten bin, gehört dazu die Suche nach einer Unterkunft, etwas nettem zu Essen,  einem Internetcafe oder nach einer netten Bar mit Billiardtisch. In den letzten zwei Wochen kam auch das Schwimmen im Malawisee und eingehende Beschäftigung mit weiblichen Artgenossen hinzu. Wenn es darüber hinaus ala Friseurbesuch oder Wiederbesorgung verlorener, vergessener oder geklauter Gegenstände nichts zu tun gibt, lese ich auch mal eine Zeitung oder wandere einfach ein bisschen durch die Strassen.
Jetzt, da ich schon in Tansania bin, habe ich noch die große Aufgabe, mir ein paar Brocken Kiswahili anzueignen, denn ohne wären meine Möglichkeiten, das Land kennenzulernen, eher beschränkt. Bei alldem bin ich in den über vier Monaten, die ich schon hier bin, immer wieder auf für einen Europäer sehr afrikanische Probleme gestoßen. Ganz allgemein kann man sagen, daß ich wie so viele andere vor mir etliche Lektionen in afrikanischer Gelassenheit und afrikanischer Geduld hinter mir habe. Ich habe diese Probleme hier zwar nicht sehr umfangreich behandelt, ihr könnt mir aber glauben, daß sie zahlreich waren und immer noch sind. Los geht es mit der allgegenwärtigen Mzungu-muß-mehr-bezahlen-Geschichte, weiter mit Diebstahl, nächtlicher Lautstärke, ewigen Wartezeiten etc. etc. Bei all dem kann man sich wunderbar aufregen und ich tue das auch, wenn mir danach ist.
Mit der Zeit aber beruhigt man sich immer schneller, weswegen mir diese Erlebnisse auch nicht mehr der Erwähnung hier wert sind. Dazu zwei Beispiele: Noch in Malawi hatte ich mich nach einem Abend mit Bier und Buch im Bett entschieden, meine Brille aufs Fensterbrett zu legen, obwohl ich den Verdacht hegte, daß man das Fenster von außen öffnen könnte. Aufgrund des Alkohols hatte ich dann auch keine Lust mehr, es zu überprüfen und riskierte es einfach. An diesem Abend aber ging es schief, das Unmögliche geschah und meine Brille war weg. Nun bin ich in der glücklichen Lage, auch ohne relativ gut zurecht zu kommen. Ich sehe eben nur ein bisschen dämlich aus, weil ich dann häufig einen starken Silberblick habe. Für sonnige Tage kann ich auch noch meine Sonnenbrille, die ebenfalls über geschliffene Gläser verfügt, verwenden. Trotzdem habe ich mich natürlich tierisch aufgeregt. Einem anderen die von ihm benötigte Brille zu klauen ist, gerade hier, wo es noch verpönter ist als bei uns, eine große Gemeinheit. Ich habe aber meine Wut wenigstens in der Öffentlichkeit im Zaum gehalten. Stattdessen bin ich die Sache schon relativ afrikanisch angegangen, denn je mehr Geschrei ich mache, so dachte ich mir, je geringer wird die Wahrscheinlichkeit sein, daß der Dieb sich eines besseren besinnt, und mir die Brille doch noch wieder zukommen läßt. Nach einem halben Tag schon hatte ich mich beruhigt, nachdem ich mich bei den sehr netten Angestellten der Lodge umfassend erkundigt hatte.
Als einzige Konsequenz bin ich aus der Lodge, in der der Wachmann auch am Tag darauf nicht auf seinem Posten war, in ein Resthouse im Zentrum des Ortes gezogen (in ein Einzelbettzimmer in der die „geile Schlampe“ nicht mit mir gemeinsam übernachten konnte – so kann’s gehen). Schon jetzt habe ich mich an mein zusätzliches kleines Handicap gewöhnt, welches auch ein wenig dafür sorgt, daß ich meiner Freundin treuer bin, als zuvor (die islamischere Kultur Tansanias und seine Armut, die richtige Danceclubs eher selten gestattet, tragen aber daran den Hauptanteil).
Ein anderes Mal, schon in Tansania, stellte ich meine fortgeschrittene Anpassung an Afrika dadurch unter Beweis, daß ich bei einer nächtlichen Zuckerverladeaktion vor der Tür meines Guesthouses wieder nicht herumschrie, sondern einfach selber ein paar Säcke schleppte. Das war zwar aus afrikanischer Sicht auch keine „feine Art“, denn immerhin signalisierte ich ja durch die Blume hindurch, daß mich der Krach störte. Aber diesen Teil meines Europäer- oder Deutschtums möchte ich auch gar nicht ablegen, zumal man bei einigen Afrikaner damit auch durchaus Sympathien gewinnt. Auf die anderen ist geschi…

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