Drei Mal gegen die Liebe

Nur kurz heute: ich habe herausgefunden, warum ich hier nicht gut klarkomme. Afrikaner sind so selbstsicher, die brauchen andere Menschen meiner Ansicht nach viel weniger als wir. Jeder ist „my friend“ oder in weiterer Steigerung „my brother“, was aber nur dazu dient, den anderen in gute Stimmung zu versetzen (was natürlich „positiv zu bewerten ist“) und ihn für sich einzunehmen, wenn man etwas von ihm/ihr möchte.
Ich hingegen laufe ständig durch die Gegend, auf der Suche nach Kontakt zu anderen, weil ich mich schwach fühle und ständig Bestätigung brauche. Selbiges geschieht nicht nur mit „schleimen“, sondern auch mit „wütend sein“ auf andere, denn, und es ist keine besondere Neuigkeit, auch eine heftige Konfrontation ist immer noch besser als gar keinen Kontakt zu anderen zu haben. Meine dritte „Methode“ habe ich so sehr als normale Verhaltensweise angenommen, daß ich sie für zu meinem Gefühl der Einsamkeit/Traurigkeit mit dazugehörend gehalten habe.
Es ist eine Form des „Ewig-traurig-und-leidend-in-die-Welt-Hineinschauens“, die ich schon früher einmal bei mir beobachtet hatte, die aber dann noch zu wichtig für meinen Selbstschutz war, um sie beständig im Auge zu behalten. Mit dieser Methode nämlich kann man alle starken Persönlichkeiten von sich fern halten, so daß diese einen möglichst nicht mit der schmerzvollen Wahrheit der Einsamkeit konfrontieren können.
Mit Liebe und Selbstliebe verwöhnte Afrikaner, Menschen die vor einer Lüge keine Winzigkeit zögern, weil alles was ihnen dient nicht schlecht sein kann, nutzen natürlich eine so deutlich erkennbare Schwäche eines anderen ohne Gewissensbisse für sich aus. Deshalb die vielen Betrugsversuche, Lügen und auch schon Diebstähle.
Aber ich mache mich langsam: gestern habe ich gleich zwei Schwarze, einen Guesthouseangestellten und einen Busschaffner, fotografiert, um sie im Notfall identifizieren zu können. Der Angestellte hat mich wahrscheinlich um ein, zwei Scheine erleichtert, denn er drückte sich sehr, als ich verlangte, daß er mir seine Hosentaschen zeigen sollte, weil ich ein Paar Socken vermißte. Aus diesem Grunde auch ließ ich mir nicht die Gesäßtaschen zeigen, denn dort wären die Socken ja sofort aufgefallen.
Daß mein Geld, welches ich teilweise auf meinem Tisch im Zimmer „versteckte“, während meines Aufenthaltes in jenem Guesthouse erstaunlich schnell zur Neige ging, bedachte ich in diesem Moment nicht, denn eigentlich ging es mir nur darum den Typen zu demütigen, weil ich ihn verdächtigte, meine schon fürs Braten vorbereiteten Kartoffeln verzehrt zu haben.

Nachtrag (19 Uhr):
Schon heute hat die oben gemachte Erkenntnis Ergebnisse gezeigt. Ich habe nämlich im Bus eine wirklich heiße Lady angequatscht. In afrikanischen Minibussen sitzt man sehr beengt, deswegen konnte ich es sehr gut spüren. Vom Aussehen her war sie allerdings eine moderne, junge und stilvolle Schönheit und sie erzählte mir auch, daß sie fürs Gesundheitsministerium arbeitet, was allerdings hier in Sambia kein Kunststück ist, denn jede staatliche Gesundheitseinrichtung ist dem Ministerium direkt untergeordnet.
An ihrer Ausdrucksweise jedoch konnte man schon die höheren Ambitionen ablesen,  weswegen meine stolprigen Versuche auch ins Leere liefen. Aber es ist natürlich noch kein Meister vom Himmel gefallen und der Möglichkeiten sind auch noch viele, wenn ich diesen Pfad weiter beschreite.
Am vergangenen Dienstag habe ich übrigens nicht mehr die „Dorfschlampe“ angemacht. Mein Gefühl sagte mir eindeutig, daß es ein Fehler wäre. Ich bereue diese Entscheidung auch überhaupt nicht, sie ist vielmehr ein Beweis dafür, daß gut gefickte Menschen, zu denen ich zur Zeit gehöre, die besseren Menschen sind.

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