Konflikte mit dem Gesetz – Teil 2

Sicher will so mancher Leser noch wissen, was geschah, nachdem ich in Handschellen gelegt in einem Auto mit vier Sambiern durch das nächtliche Livingstone fuhr.
Natürlich wurde ich nicht umgebracht, sondern man brachte mich wirklich in eine, wenn auch sehr einfach ausgestattete Polizeistation. Wahrscheinlich mußte es diese sein, weil der Typ, dessen Autoscheibe ich zerdeppert hatte, ein Polizeioffizier der Reserve, meinte, mit den Leuten dort besser seine Ziele erreichen zu können. Nachdem meine Angaben aufgenommen worden waren, konnte er erst einmal seine Version der Geschehnisse darlegen, in der ich den Zimmerschlüssel mit Absicht mitgenommen und ihm einen Headbang verpaßt hatte, was erklären sollte, warum mein Gesicht blutverschmiert war. Seltsamerweise war in seinem Gesicht aber überhaupt nichts davon zu sehen. Als er die Festnahme beschrieb, erwähnte er immer wieder, wie stark ich sei, sicherlich um im Zweifelsfall erklären zu können, warum ich so viele Blessuren davon getragen hatte. Der Typ war wirklich ein Meister der Lüge.
Ich blieb trotzdem während der ganzen Prozedur vollkommen ruhig, weil es natürlich nun darum ging, die Folgen für mich erträglich zu halten. Darum wollte ich mir den Polizeioffizier nicht zum Feind machen. Es half sehr, daß mich der Gedanke an ein paar Monate Gefängnis nicht sonderlich beunruhigte, da mir ein alter, weißer Südafrikaner erzählt hatte, daß er im Gefängnis von den schwarzen Mitinsassen mit großem Respekt behandelt worden war.
Nachdem der Besitzer des Guesthouses mit seiner Märchengeschichte fertig war, wurde ich gefragt, wie ich mich zu den Vorwürfen äußern würde. Ich bestätigte, die Flasche und die Autoscheibe zerstört zu haben, wobei ich allerdings anmerkte, daß ich nicht wüßte, ob sie nicht auch schon vorher beschädigt gewesen wäre. Danach schilderte ich den Verlauf der Geschehnisse aus meiner Sicht, was ich aber wohl zu ausführlich tat, weshalb der Polizeioffizier die Geduld verlor und ich nicht einmal bis zur Hälfte, geschweige denn, zum dem Teil, in dem ich die Fußtritte erhielt, kam.
Nun mußte ich meine Hosentaschen leeren, wobei ich bemerkte, daß Handy und ein wenig Geld verschwunden waren, den Gürtel ablegen und die Schuhe ausziehen, denn ich wurde nun in Untersuchungshaft genommen. Als ich, schon eingesperrt, den Polizeibeamten vollkommen ruhig und vernünftig nach dem weiteren Ablauf des Verfahrens fragte, wurde ich sehr verwundert von dem Guesthousebesitzer beobachtet, der in diesem Moment schwerlich sein Bild von einem durchgeknallten Berserker aufrechterhalten konnte, was mir später noch sehr helfen sollte.
Bei der Zelle handelte es sich um einen kleinen, nicht einmal ein mal zwei Meter großen Anbau ans Gebäude, der nur über eine aus Metallstäben gefertigte Tür verfügte, weswegen vorbeikommende Anwohner die Sensation eines eingesperrten Mzungus beobachten konnten. In dieser mit einer Decke und ein paar alten, dreckigen Klamotten ausgestatteten Buchte war auch schon ein anderer Delinquent untergebracht. Hier verbrachten wir die Nacht, mit dem Versuch zu schlafen, auf dem Boden liegend, nachdem ich einmal, vom Schlaf übermannt, mit dem Kopf gegen den stählernen Türrahmen geknallt war. Ich malte mir aus, für vielleicht neun Monate ins Gefängnis zu müssen, weil der Guesthousetyp etwas von zwei Jahren gefaselt hatte, war aber davon überzeugt, auch damit fertig zu werden, obwohl ich Angst hatte, daß die Wirklichkeit doch viel rauer sein würde. Das einzig wirkliche Problem waren für mich die Sorgen, die meine Mutter sich während dieser Zeit machen würde.
Nachdem die Sonne aufgegangen war, konnte ich Leute beobachten, die Wasser holten, ihren Hof fegten oder ihr Auto wuschen und außerdem Schüler, die zur Schule gingen. Um mir die Zeit zu vertrieben machte ich ein wenig Kraftsport mittels “Gegendruckmethode”. Bald darauf erschien ein höherrangiger Offizier von dem ich eine Moralpredigt betreffend Gesetz, Gewalt und leider auch Rassismus in Europa bekam. Er erzählte mir, daß der Ankläger nichts gegen eine gütliche Einigung einzuwenden hätte, sollte ich bereit sein, für den Schaden aufzukommen.
Da ich nun so leicht aus der Sache herauskommen würde, hatte ich natürlich keine Lust den harten Mann zu spielen und willigte ein. Ich besprach alles, noch aus der Zelle heraus, mit dem Besitzer des Guesthouses, und erfuhr, daß mich dieses kleine Wutausdrucksexperiment das verlorene Handy nicht eingerechnet rund 300 Euro kosten würde, was ich als Preis um ein paar Monate Gefängnis zu umgehen, für äußerst akzeptabel hielt, obwohl ich natürlich ausrechnete, um wie viele Tage sich meine Reise deswegen verkürzen würde.
Man ließ mich nun raus und ich wusch mir das Blut aus dem Gesicht, wonach ich trotzdem noch ziemlich ramponiert und wenig gentlemenlike aussah. Gemeinsam mit dem kleinen, dicken Guesthousebesitzer und einem seiner Polizeikumpels, welcher den Tag über frei hatte, fuhren wir nun, meine Kreditkarte aus der Backpacker Lodge holen, nachdem wir zuvor durch die ganze Stadt gekurvt waren, da mein neuer “Freund” einige Dinge für seinen eigentlichen Job eines Abteilungsleiters beim lokalen Energieunternehmen überprüfen mußte.
In der “Lodge” mußte ich jetzt selbstverständlich erst einmal meine Freundin beruhigen, was mir kaum gelang, da ich ja gleich wieder los mußte, um Geld zu holen. Als das aber erledigt war und ich meine “Strafe” gegen Quittung bezahlt hatte, war sie doch halbwegs froh, daß ich nicht bei einer anderen Frau gewesen war, was sie sich nämlich ausgemalt hatte, während sie des Nachts, einige andere Hostelbewohner beschäftigend, nach mir gesucht hatte.
Nach dem Versöhnungssex nahm auch sie die ganze Sache relativ leicht und von der nun unvermeidlichen lustigen Seite.
Für mich ist die Angelegenheit mittlerweile auch vergessen. Wahrscheinlich kann ich von Glück sagen, daß ich auf der Polizeistation so ruhig blieb, weil “mein Freund” (er lud mich sogar ein, auf seine Kosten bei ihm im Restaurant zu trinken, wovon die Damen des Etablissements nicht sonderlich begeistert waren) wohl doch etwas besorgt war, wie er und seine Freunde, die mir die Fußtritte verpasst hatten, wahrgenommen werden würden, wenn ich die Geschehnisse auf solch eine Weise vor Gericht geschildert hätte. Dann hätte ich natürlich auch all die Lügen erwähnt, die überhaupt erst zu dem Vorfall geführt hatten und auch, daß einige Risse in der Scheibe ohne Zweifel von Steinschlägen herrührten.
Alles in allem war es für ihn bei weitem günstiger so, denn so wurde seine Windschutzscheibe von mir bezahlt und er behält seinen ihm so wichtigen Ruf eines respektablen Businessmannes.

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