Auch reiche Menschen haben Sorgen

Jetzt bin ich in Sambia in einem kleinen Grenzort und kann endlich wieder ohne ständig rechnen zu müssen Geld ausgeben.
Schon in den letzten Tagen in Namibia, als entlang meines Weges die Armut immer größer wurde, fühlte ich mich verpflichtet, mein Geld noch stärker als zuvor den Ärmsten der Armen zukommen zu lassen. Hier in Sambia, welches wesentlich ärmer als selbst die ärmsten Regionen Namibias ist, habe ich dieses Gefühl natürlich noch stärker.
Aber hier, wo ich der einzige Weiße bin und mittlerweile so viel reicher als die meisten hier, dass ich mich nicht mehr länger als „armer“ Deutscher sehen kann, werde ich mit großer Skepsis und zuweilen Unfreundlichkeit behandelt. Diese nimmt mitunter so starke Ausmaße an, das selbst ein „Gutmensch“ wie ich Schwierigkeiten hat, noch Entschuldigungen für die „armen Schwarzen“ zu finden.
Ich wäre aber nicht ich, wenn ich es nicht trotzdem versuchen würde: Es fängt damit an, das man einiges, was die Leute hier essen und trinken einfach nicht mehr vertragen kann. Beim selbstgebrauten Bier, zu dem man gelegentlich eingeladen wird, wird einem das spätestens nach zwei Schlücken klar. Aber auch die ordentlich zubereitete und servierte Mahlzeit in einem kleinen afrikanischen Restaurant schlug mir beim ersten Versuch auf den Magen.
Bis der sich dann wieder erholt hat, will man natürlich auf Nummer sicher gehen und Hochwertigeres zu sich nehmen. Da es aber weder Wurst noch Käse zu kaufen gibt (und ich habe keinen Kocher), muss man sich in den besseren Lokalen verpflegen, denn nur hier findet der Europäer Gewohntes. Dort sitzt man dann auf der Terrasse, weil ich mich auch nicht verstecken möchte, bestellt, wie ich eben gerade, ein Rührei nach dem anderen, und die Einheimischen gehen vorbei und können nur zugucken. Das wirft dann ganz selbstverständlich bei jenen die Frage auf, warum „der“ das kann und „ich“ nicht.
Ähnlich verhehrend für den Ruf der Weißen kann es werden, wann man sich etwas Unbekanntes an einem Stand kauft, welches sich dann als vollkommen ungenießbar herausstellt, weshalb man es möglichst unauffällig wegwerfen möchte, was nur selten möglich ist, da das Zentrum der Städte zu fast jeder Zeit gefüllt mit Menschen ist.
Außerdem führt die für mich in dieser Fülle vollkommen ungewohnte Nutzung „höherer“ Dienstleistungen wie Hotelübernachtungen, Restaurantbesuchen oder etwa Taxifahrten bei mir dazu, dass ich mich als ein Reisender in den armen Ländern dieser Welt mit der Zeit an den höheren Lebensstandard gewöhnt habe, den ich hier führen kann, und zwar ohne während der gesamten Reisezeit auch nur ein einziges Mal zu arbeiten. Da ich nicht in den gehobenen Kreisen großgeworden bin, und somit auch nicht über deren eingeschliffene Souveränität im Umgang mit „Dienstleistenden“ verfüge, verhalte ich mich wohl allzu oft wie ein Neureicher, wenn es darum geht, mein „Verbraucherrecht“ einzufordern. Hier in Afrika, wo viel mehr als in Deutschland auf die Befindlichkeit des Gegenübers geachtet wird, kann man sich in dem Zusammenhang schnell „Freunde“ machen. Da reicht es schon, wenn man in einer Bar eine andere Flasche möchte, weil die bestellte Fanta mangels Kohlensäure nur noch Zuckerwasser ist.
Aber auch diese lange Klage muss einmal ein Ende haben, denn reich und wie hier exotisch zu sein, hat natürlich seine Vorteile. So lerne ich ungewöhnlich schnell neue Menschen kennen, welche manchmal nette Mitmenschen und manchmal kleine, betrunkene, wilde tanzende Mädchen sind, die so scharf auf einen sind, das man selbst mit tatkräftiger Hilfe eines Sozialarbeiters (nämlich besagter netter Mensch) große Schwierigkeiten hat, sie wieder loszuwerden. Am Ende mußte ich ihr erzählen, dass ich bald heiraten würde, da ich ansonsten natürlich viel zu geil auf ihren kleinen Körper war, um ihr einen überzeugenden Korb zu geben. Die Szene spielte sich, nur nebenbei bemerkt ;-), in einem CLUB in einer KLEINSTADT an einem MITTWOCH ab.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 5 - Afrika, Abenteuer und Reisen abgelegt und mit , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s