Wo gehobelt wird, da fallen Späne

Zwei ganze Tage in Uis, was soll man da machen, wenn man nicht weiß, dass die interessante Hälfte des Dorfes, nämlich das Schwarzenviertel, also das Ghetto oder die Location, wie man hier sagt, hinter einer Abraumhalde versteckt wird?
Ich klettere in dem Fall spätestens an Tag 2 auf den umliegenden Bergen herum. Denn ich will ja in nächstes Zeit mal etwas höher hinaus, um genau zu sein über die 2000-Meter-Marke, und da kann ja etwas Trockentraining auf ein paar kleineren Exemplaren nicht schaden. Derer hatte ich heute vier und somit ließ sich der Teil des großen Gipfelsturmplanes, der beinhaltet, das man so kurz vorm „Wettkampf“ nur noch leicht trainiert, nicht so ganz einhalten. Jetzt, im Nachhinein, weiß ich auch, dass mein Unterbewußtsein von diesem vernünftigen Unterfangen gar nichts hielt, denn nach einer entspannten Pause auf der höchsten Abraumhalde des alten Zinnbergwerkes (müßte selbst bei Google-Maps noch beeindruckend aussehen) stand ich bald vor einem fünf Meter tiefen Abhang, kickte ein paar Steine hinunter und sagte mir: ‚Is ja gar nich so hoch.‘ Nach drei Metern gab es auch noch eine ebene Fläche, auf die man im Notfall springen könnte, und Knall auf Fall, ohne mein routinemäßiges Suchen nach einer einfacheren Alternative, warf ich meinen Wanderstock (man klopft damit auf die Steine, um die Schlangen zu vertreiben) hinunter und begann auch schon mit dem Abstieg.

Da ich noch nie so steile Wände geklettert bin, selbstverständlich sehr dilettantisch. Ein Fuß stand sicher, für die Hände war nur rechts eine wage Haltemöglichkeit vorhanden. Ich überlegte nicht, schwang mich hinüber, mit beiden Händen nach ihr greifend, in der Hoffnung mit dem anderen Fuß Halt zu finden, und polterte wie zuvor die Steine fünf Meter in die Tiefe. Da mein Rucksack nur halb gefüllt war, konnte er mich dieses Mal auch nur halb retten, denn ich schlug mit dem rechten Unterarm und dem Kopf verdammt hart auf den scharfkantigen Steinen auf. Ich rappelte mich auf und war ziemlich benommen, schaffte es aber, meinen Rucksack abzusetzen. Erste Diagnose: Arm aufgeschrammt, Kopf blutet, der Schädel ist aber unversehrt, und ein schon einmal gebrochener Mittelhandknochen an der rechten Hand scheint etwas abbekommen zu haben.
Erst einmal freue ich mich über mein Glück, denn ich kann laufen und die Benommenheit ist schnell vorbei. Sollte ich eine Gehirnerschütterung haben, ist die Sache mit ein paar Tagen Ruhe erledigt. Bald aber beginne ich mir Sorgen um meine Hand zu machen, denn einige, wenn auch wenige, Bewegungen mag sie gar nicht. Sollte sie gebrochen sein, müßte ich meine Reise für mindestens drei Wochen vollkommen umgestalten. Damit ergeben sich natürlich viele neue Möglichkeiten, aber ich muss zuerst daran denken, wie teuer hier gerade Hotelzimmer sind, die ich dann natürlich bevorzugen würde, und bin erst einmal verärgert über meine eigene Dussligkeit.
Später, nach einigen Kilometern Marsch am Supermarkt des Ortes angekommen, muss ich bei einem Gespräch mit jungen, aber schon recht aufgeweckten Mädels feststellen, dass ich es immer noch für eine gute Idee halte, bei Problemen zu jammern. Beim Abschied nennt die eine mich „little Markus“ und ich muss wieder einmal eingestehen: zurecht. Wenigstens sorgte die Kleine so dafür, dass die Erkenntnis dieses Mal schon früh kam.
Im Augenblick kühle ich mit Eis und habe schon erfahren, dass es in meinem für morgen geplanten Etappenziel einen Röntgenarzt gibt. Ich kann also getrost abwarten, wie es sich entwickelt, denn sollte ich dort keine billige Bleibe finden, ist die nächstgrößere Stadt nicht weit, und zur Not werde ich mich einfach wieder bei armen Schwarzen einnisten, die können jede Hilfe gut gebrauchen. Das stelle ich mir wahrscheinlich jetzt zu einfach vor, aber am Ende findet sich da ein Weg, auch um die Zeit dann mit etwas sinnvollem zu verbringen: wie wär’s etwa mit Hausaufgabenhilfe?
Ich hoffe doch, es schaut mal wieder einer rein bei dem Spanner, der ungefragt schöne Mädchen fotografiert, oder seid ihr alle gerade selbst „unterwegs“? Sobald ich mal wieder ein etwas günstigeres Internetcafé finde (hier sind es nämlich unglaubliche 4,50 Euro die Stunde PLUS Downloadgebühren) kann ich auch wieder ein paar Bilder reinstellen.

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