Fette weiße Rassisten

Das ich eher wenig geschrieben habe in den letzten Tagen liegt definitiv nicht daran, dass ich nichts erlebt habe. Auch ich habe mitunter Lust, mich mit Menschen zu unterhalten. Die Geschichten der anderen Hostelbewohner sind noch interessant und man kann viel Nützliches erfahren. Meine Pläne ändern sich dadurch immer noch täglich, auch der anfängliche Schock wegen der hohen Preise hat sich etwas relativiert: gefährliche Tiere warten nicht hinter jeder Ecke, man könnte also im Notfall sogar wild campen, mit etwas Glück sollte man aber richtig günstige Campingplätze (ab 2 Euro) finden. Die Kosten für den Transport mindern sich auch erheblich, wenn man weiß, wo die Sammeltaxis abfahren, und man SEHR viel Geduld hat. Auch trampen ist prinzipiell möglich.
Was mich ansonsten vom Posten abhält, ist, dass es selten ein schattiges Plätzchen gibt, wo ich mich mit meinem Handy hinsetzen könnte, der Hostelcomputer nachts abgeschlossen ist und das günstigste Internetcafé über zwei Euro die Stunde kostet.
Womit ich auch schon bei einem Thema bin, das mich in den letzten Tagen sehr genervt hat. Die hohen Preise entstehen meiner Meinung nach nämlich dadurch, dass es in Namibia keine nennenswerte Mittelschicht gibt. Vereinfacht kann man sagen, dass es die reichen Weißen und die sehr armen Schwarzen gibt. Der Einkommensunterschied ist so gravierend, dass man sich wundert, was diese Gesellschaft zusammenhält (Namibia ist das Land mit der ungleichsten Einkommensverteilung auf der ganzen Welt). Die einzig mögliche Antwort: die Schwarzen haben sich daran gewöhnt, sich unterzuordnen, verhalten sich vielfach sogar so, als wären sie wirklich minderwertig. Das ist gegenwärtig sogar ein rationales Verhalten, denn die weißen Rassisten würden jedem selbstbewußten Schwarzen sofort kündigen und jeder Weiße, der sich mit den Schwarzen „gemein“ macht, würde zur Persona-non-grata.
Als Tourist spielt man munter mit bei diesem Spiel, so sehr, dass ich kotzen muss, wenn ich die Partybilder an den Wänden des Hostels sehe, auf denen der fette Besitzer mit jeweils mehreren blonden Europäerinnen zu sehen ist, denn die Köchin wohnt selbstverständlich im Armenviertel und der Hausmeister schläft im VW-Bus auf dem Hostelgelände und hat regulär eine 7-Tage-Woche (!!!).
Aus diesem Dilemma sehe ich im Moment noch keinen Ausweg, außer möglichst wenig Geld auszugeben, denn von diesem profitiert nur der reiche, weiße Sack und der schwarze Angestellte „vegetiert“. Auch kann man natürlich nicht einfach in den Township gehen und sagen, ich gebe mein Geld nur noch dort aus, denn verständlicherweise gibt es viele wütende, schwarze Männer, die dich mit ihren Ausbeutern, teilweise zurecht, in einen Topf werfen würden, oder die so arm sind, dass es ihnen schlichtweg egal ist, woher das Geld kommt (über 10 Prozent der namibischen Familien müssen mit weniger als 180 N$ auskommen – der billigste Imbiss kostet 4,5 N$).

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