Renn zu deiner Mama, du kleines Arschloch

Ich trockne gerade meine Wäsche, wozu mir die Stahlarmierung eines Strandhausfundamentes dient, denn ich bin mittlerweile südlich des Deltagebietes, wo die Küste wie sonst überall Urlaubsregion ist. Das hab ich gestern abend auch sofort bei den Hotelpreisen gespürt, die bereits deutlich über denen von Tulcea liegen, das ein Tourismuszentrum und dazu viel schöner als die Trabantenstadt ist, in der ich gestern unterwegs war.
Da ich mich gut fühlte und meine Beine wie von selbst liefen, hatte ich überhaupt keine Lust, 100 Lei für ein Zimmer auszugeben, sondern bin lange herumgelaufen auf der Suche nach einer günstigeren Übernachtungsmöglichkeit oder wenigstens einer, in der man meine Wäsche waschen würde. Das führte sogar dazu, dass ich einen halbwegs passablen Schlafplatz unter einer Eisenbahnbrücke wieder verließ, weil ich noch unternehmungslustig und auf Abenteuer aus war. Deshalb landete ich am Ende doch in einer teuren Bleibe, denn wenn man erst einmal müde wird, weichen die Vorsätze sehr schnell der Bequemlichkeit. Ich habe den Preis jedoch immerhin um 30 Lei
auf die hier unterste Schwelle von 100 Lei (beide Hotels mit diesem Preis waren voll) herunterhandeln können, aber dummerweise war das Wasser zu kalt, um meine Wäsche sauber zu kriegen. Das ist mir jetzt aber schon wieder egal, denn sie stinkt nicht mehr und ins Hotel mußte ich sowieso, um meine diversen Akkus aufzuladen.
Beim Marsch durch die unterschiedlichsten Wohngebiete wurde mir zudem entgültig klar, wozu mir der viel länger als geplante Aufenthalt hier dient, wurde ich doch wieder etliche Male verarscht. Mit meiner Methode „Ich-bin-so-schwach-bitte-tut-mir-nichts“ komme ich hier noch viel weniger zurecht als woanders. Wehrt man sich allerdings oder versucht sogar mal andere zu ärgern, wird man anerkannt. Beides ist normal, funktioniert aber hier nach meiner Erfahrung in größerem Umfang. Zum Beispiel passierte es mir hier des öfteren, dass man beim Überholen, egal, ob mit dem Fahrrad oder mit dem Auto, letzteres als Beifahrer, möglichst gefährlich nahe von hinten auffährt, bevor man ausschert – man provoziert den anderen, wehrt er sich heftig, ist das nur verständlich. Oder man bekommt Hilfe angeboten, um einem ein paar Lei aus der Tasche zu leiern. Ob die Hilfe erfolgreich war ist dabei von geringer Bedeutung.
Ich persönlich gewinne aber am meisten durch die Provokationen von Banden kleiner Rotzlöffel, die ich jetzt schon mehrfach in die Flucht geschlagen habe, was die Wut darüber ziemlich gut im Zaume hält. Ich wäre aber gerne noch skrupelloser, denn ich weiß, dass mir das helfen würde, ausgeglichener zu sein. Der Beweis, dass das richtig ist, ist der Fakt, dass es mich ärgert, und dass sie mich immer wieder so schnell für ihre Attacken herauspicken. Mein größter Erfolg gestern war die Eroberung eines Pfeiles, der auf mich abgeschossen worden war. Ich begnügte mich damit, zwei Lei für ihn zu verlangen, was als Reaktion immer noch nicht ausreichend war, denn ich spürte Lust, ihn zu zerbrechen. Das ich entweder dies oder, als zweite Variante, eine Backpfeife bei der Übergabe, hätte tun sollen, wurde mir auch gleich bewiesen, denn sobald die Rotzlöffel ihren Pfeil wieder hatten, wurde ich als Bitch beschimpft, worauf auch diese kleinen Arschlöcher ihre Beine in die Hände nehmen mußten.

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