Hunde sind auch nur Menschen

In Rumänien Internetcafes zu finden ist nicht so leicht. Hier ist man besser dran mit eigenem Laptop, da es in vielen Cafes Wifi gibt. Deshalb ist mein Blog zur Zeit auch weniger bunt als ich es gerne hätte, da die letzten Internetcafes, die ich oft erst nach langer Suche fand, keinen so vertrauenswürdigen Eindruck machten, als dass ich meine Kamera an die Computer angeschlossen hätte (geschweige denn, mein Konto gecheckt hätte).
Bei mir ändern sich die Reisepläne zur Zeit alle drei Tage. Zuerst dachte ich, dass ich länger in Rumänien bleiben müßte, da die Chancen, einen geeigneten Abnehmer für meinen kleinen Hund zu finden, nicht gut standen, da es an Hunden in Rumänien nun wirklich nicht mangelt. Ich hatte schon mit Mitte September gerechnet, was genug Zeit gewesen wäre, dass er sich so sehr an mich gewöhnt hätte, dass ich ihn in einer kleinen Stadt aussetzen und auf der Rückreise mit nach Deutschland hätte nehmen können.
Allerdings habe ich sehr viele Fehler gemacht in der kurzen Zeit: ich hatte zu früh angefangen, ihn abrichten zu wollen, war auch wohl öfter zu streng mit ihm und, am gravierendsten, ich habe ihn öfter, manchmal sogar länger, alleine gelassen. Letzteres nur aus dem Grund, weil ich meinen Gefühlen, die mir deutlich sagten, dass ich bei ihm bleiben müßte, nicht vertraute, und mich entschied, lieber die vermeintlichen Erwartungen, der Rumänen, die ich kennengelernt hatte, zu erfüllen. Nach nur einer Woche war er bereits ein Angstbeisser, versuchte ständig sich andere Menschenfreunde zu suchen und war erstaunlich wagemutig, wenn es darum ging, sich weiter von mir zu entfernen.
All das konnte geschehen, obwohl ich, nachdem ich ihn das erste Mal gleich eine ganze Nacht allein gelassen hatte, einen richtigen Heulanfall bekommen hatte, als mir bewußt wurde, dass ich ihm das Gleiche angetan hatte, was mir als Kleinkind und Baby passiert war (wobei er mich zu trösten versuchte).
Am Ende nervten mich die Gewissensbisse, die ich deswegen hatte und ich entschloss mich, ihm einem sympathischen jungen Rumänen, der kein Wort englisch sprach, anzuvertrauen (, mit dem einzigen rumänischen Satz, den ich kann: „Wollen Sie diesen Hund?“), da ich mir sagte, dass er überall besser aufgehoben ist, als bei mir.
Auf einer Seite über Hundeaufzucht hatte ich gelesen, dass man es mit der falschen Erziehung, in diesem Fall ging es darum, mit ihm zu schimpfen, wenn er in die Wohnung macht, dazu bringt, dass der Hund seinen eigenen Empfindungen nicht mehr vertraut, weil man ihm sozusagen einimpfen würde, dass Pipi- und Kacka-Müssen etwas Schlechtes ist, was ihn total verunsichert, da es nun mal raus muss.
Weil genau das bei mir auf alle Gefühle bzw. Triebe zutrifft, muss ich jetzt auch unbedingt wieder radikaler werden, was meine Reiseart angeht, um möglichst Erlebnisse zu haben wie meine Erfahrung in den ukrainischen Karpaten, bei denen die Empfindungen, weil es um die pure Existenz geht, so eindeutig sind, dass selbst ich ihnen vertraue. Bisher war das durch den Hund nicht möglich, da lange Wanderungen, zumal bei der gegenwärtigen Hitze von über 30 Grad jeden Tag, mit ihm nicht möglich waren. Auch die ständigen Ortswechsel hätten seine negative Entwicklung noch verschlimmert, da er nie eine vertraute und somit sichere Umgebung gehabt hätte.
Außerdem eignete sich die Landschaft im Südosten Rumäniens, in der ich mich aufhielt, auch nicht besonders für meine Zwecke, da der einzige natürliche Schutz oft nur aus Mais- und Sonnenblumenfeldern bestanden hätte, weil das Land sehr intensiv genutzt wird. Ohne „Kleinkind“ an meiner Seite wäre ich zu dem größeren Risiko bereit, dass im Augenblick auch darin bestehen könnte, dass ich unter freiem Himmel schlafen müßte, da der Boden durch die lange Trockenheit hier zu hart sein dürfte, um das Zelt aufzubauen. Im Notfall könnte ich die Zeltplane am Mais befestigen und würde wenigstens von oben nicht nass.
In diesem Punkt dürfte es egal sein, ob ich von hier aus, ich befinde mich an der Donau, die hier die ukrainisch-rumänische Grenze bildet, wie geplant nach Norden nach Odessa fahre oder in Rumänien bleibend nach Süden reise. Die Ängste, die mir die Rumänen vor meiner Art der Reise in ihrem Land gemacht haben, sprechen nun aber gerade für ein Hierbleiben. Vielleicht schaffe ich es dann auch, mein Bild von den Menschen hier noch etwas zu relativieren, denn bisher ist es durch diverse Unfreundlichkeiten, Bescheissereien, Betteleien und ein Diebstahl von ca. 80 Euro durch Zigeuner (ich benutze hier bewußt den diskriminierenden Ausdruck) sehr negativ geprägt. Diese Erfahrungen konnten auch nicht durch die oftmals unvergleichliche Hilfsbereitschaft ausgeglichen werden, sorgten aber in einem Land, das ich eigentlich nur so nebenbei mitnehmen wollte, vielleicht für die beste Vorbereitung auf Afrika.
Außerdem war ja der letzte Stand meines Planes etwa Mitte August nach Namibia zu fliegen, was bedeuten würde, dass ich von hier aus in der Ukraine ohne zu hetzen nur noch bis nach Odessa kommen würde. Da ich meinen Reisestil aber nicht ändern will und mir 110 Dollar für die Fähre nach Istanbul, auch angesichts des erwähnten Diebstahls, für diesen kurzen Abstecher zu viel sind, werde ich wohl lieber von Constanza aus den Bus für 100 Lei, also nicht einmal 25 Euro, nehmen.

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