Eine Fahrt im Auto, bei der nichts passierte

So, nun habe ich also ein paar Leser. Mmh, ganz schoen aufregend. Jetzt muss ich also auch hier Erwartungen erfuellen, und das auch noch ohne Euch die Ohren vollzuheulen. Wie soll ich das nur schaffen.
Ich denke, ich schreib heute einfach mal drauf los, denn die Gelegenheit ist guenstig: ein Computer fuer mich allein und niemand im Raum, der Deutsch spricht.
Zuerst vielleicht erst einmal dazu, wie meine Reisetage im Allgemeinen so verlaufen bzw. verliefen, denn alles, was ich jetzt schreibe, bezieht sich auf Polen, und ich bin schon in Lemberg/Lviv/Lwow, Ukraine.
Ich habe versucht, moeglichst oft im Zelt zu schlafen, um Geld zu sparen. Auch mit dem Essen kann man hier sehr guenstig wegkommen. (Abendbrot mit Broetchen, Wurst, Joghurt, Obst und Saft fuer um die 2,5 Euro) Im Schnitt war ich alle 3 bis 4 Tage aber doch im Hostel oder Motel und am Ende meines Polenaufenthaltes in Krakau dann permanent, weil es dort mit 50 Zloty die Nacht sehr guenstig war.
Ich habe eine grobe Richtung, wo es langgeht, ueber die genauen Etappenziele entscheide ich aber meist fruehesten am Abend vorher, da dann in der Realitaet ja doch zuviel anders kommt, als man dachte, was einen grossen Teil des Reizes dieser Reiseform ausmacht.
Ich bin schon getrampt (nur einmal, denn Busse sind in Polen topguenstig), Bus und Bahn gefahren und viel gewandert. Darunter war zB eine Art kleine Pilgerwanderung zum Milleniumskreuz in Krzeszowice.
In den ersten Tagen habe ich das mit dem Laufen gleich mal uebertrieben: da ich keine Infos ueber Buslinien finden konnte, habe ich einen 20-km-Marsch hingelegt. Meine Beine haben mitgemacht, aber meine Achillessehne hat sich dann, in Czestochowa angekommen, sehr deutlich darueber beschwert. Auch am anderen Fuss habe ich mittlerweile ein kleines Ziehen in der Sohle. Ich bin aber guten Mutes, dass auch die Sehnen sich mit der Zeit an die Belastung gewoehnen und ich somit noch freier in meinen Moeglichkeiten werde. Dennoch waren jetzt aber unbedingt ein paar Tage etwas mehr Ruhe angesagt, was vor allem Hostel bedeutet, da ich dann meinen Rucksack nicht die ganze Zeit schleppen muss. Das geht aber jetzt auch nicht mehr ins Geld, denn hier in Lviv kostet ein gutes Bett in einem Mehrbettzimmer nur 10 Euro und morgen werde ich in ein noch billigeres, weil abgelegeneres umziehen.

Hier nun erst einmal der Versuch, die Skeptiker zu ueberzeugen:

Zu den interessanteren Dingen:
In Krakow habe ich im Hostel eine ziemlich durchgeknallte Polin kennengelernt, mit der ich gut Englisch reden konnte, da sie bis vor kurzem in England gewohnt hat.
Da ich krank war, lag ich einen ganzen Tag im Bett, und da wir allein im Zimmer waren, konnten wir uns ungestoert unterhalten. Sie war nach Krakau gekommen, wegen ihres Scheidungsprozesses, in dem es auch, und das war natuerlich extrem aufwuehlend fuer sie, um das Sorge- und Besuchsrecht fuer ihr Kind ging, dass ihr schon einmal vorlaeufig aberkannt worden war. Ich konnte die Entscheidung der polnischen Psychologen schon etwas verstehen, so unorganisiert, impulsiv und neurotisch war sie.
Aber trotzdem sie quatschte wie ein Wasserfall, jedenfalls anfangs, auch immer wieder die gleichen Probleme ohne Ergebnis waelzte und sich staendig innerhalb kuerzester Zeit selbst widersprach oder umentschied – ich mochte sie.
Das hing natuerlich auch mit ihrer Art zusammen, mir, ausgestreckt auf ihrem Bett, immer wieder ihre koerperlichen Vorzuege zu praesentieren. Nachts, sie schlief wohl, konnte ich sogar einen Blick auf ihren herrlich prallen, nackten Hintern erhaschen (nunja, es war eben heiss und auch ich war nackt). Der Versuchung, aufzustehen und mir einen Blick auf ihr Geschmeide zu goennen, widerstand ich, aber jeder Mann, der laenger keinen Sex hatte, kann verstehen, was allein die Moeglichkeit mit einem anrichtet.
Sie erzaehlte mir also alles Moegliche aus ihrem Leben und auch ich hielt mich damit nicht zurueck, und am naechsten Tag kam es so, wie es kommen musste: als ich ihr gerade tschuess sagen wollte, kam ihr die Idee, dass ich ihr doch das Benzin bezahlen koennte, damit sie zu ihrem wichtigen Anwaltstermin kommt. Ich ueberlegte kurz und stimmte zu, denn sie wollte mich danach immerhin bis an die ukrainische Grenze bringen und somit bestand die Moeglichkeit, dass ich doch noch naeher an ihre kostbaren Gueter herankommen koennte, als bei der kleinen Nackenmassage, mit der wir am Morgen im Hostel die Kiddies verschreckt hatten.

Nachdem bei ihrem Termin nichts gutes herausgekommen war, wahrscheinlich, weil wir zu spaet waren und weil sie kein Geld hatte, um die Anwaeltin zu bezahlen, brachte sie mich auch wirklich bis nach Przemysl, obwohl sie maechtig sauer auf mich war, da ich ein gutes Stueck ihres Zuspaetkommens mit meinen Stauumfahrungstipps mitverursacht hatte.
Schon waehrend der Fahrt ueberlegte sie staendig, ob sie nicht mit mir nach Lwow kommen sollte, da eine ihrer Omas angeblich daher kam. Ich hingegen kam immer mehr ins Gruebeln, ob es eine gute Idee war, zu versuchen, eine Frau mit meinem Geld zu etwas mehr Naehe zu bewegen, da all meine plumpen Annaeherungsversuche nicht wirklich fruchteten, da ich natuerlich wie immer in solchen Situationen sehr verkrampft und ueberlegt war.
Als sie am naechsten Tag, nach einer Nacht im Auto am schoensten Platz Przemysls, dann doch etwas Geld, wenn auch weniger als erwartet, von ihrem grosszuegigsten Foerderer auf ihr Konto bekam, konnte sie sich immer noch nicht entscheiden, was sie tun wollte.
Spaeter bekam ich dann mit, dass sie so lange ueberlegte, weil sie ja auch am Gerichtsort, wo sie noch ein paar Tage verbringen musste bis zum ersten Verhandlungstermin, keine Moeglichkeit fuer eine Uebernachtung ausser ihres Autos hatte. Daraufhin bot ich ihr sogar an, die Tage mit ihr dort in der Naehe zu verbringen, wobei wir allerdings im Zelt oder Auto schlafen muessen wuerden und uns an Fluessen waschen. Ich wollte sie partout nicht in ein Hotel einladen, da sie mir schon die ganze Zeit zu abweisend erschien, und ich Angst hatte, ich wuerde nicht den Mut oder die Lockerheit aufbringen koennen, ihr zu verstehen zu geben, was auch ich von ihr erwartete. Wobei das mit aller Wahrscheinlichkeit viel weniger gewesen waere als bei meinen Vorgaengern, denn ein enges Beiananderliegen und Streicheln waere mir erst einmal genug gewesen. Aber auch sie hatte wohl Angst, dass es dabei dann auf keinen Fall bleiben wuerde.

Sie war immer mehr hin- und hergerissen, ob sie mit nach Lwow kommen sollte, und ich war auch nicht wirklich eine Hilfe, denn ich riet ihr zurueckzufahren, sagte ihr allerdings gleichzeitig, dass ich mich ueber ihre Begleitung, aus verstaendlichen Gruenden (obwohl wir uns immer mehr zofften, wollte ich trotzdem wissen, was sich daraus noch entwickeln koennte), freuen wuerde.
Als sie schon voellig fertig war, kam mir die Idee, ihr Geld fuer Sex anzubieten, damit sie mich entweder rausschmeisst, oder mich wenigstens nicht staendig wegschubst und ich wuesste, dass ich nicht von einer „Lebedame“ verarscht werden wuerde:
Zuerst reagierte sie ruhig – ich schien mit meiner Einschaetzung von ihr richtig gelegen zu haben – dann schlug sie mir aufs Knie, denn wir fuhren gerade, aber am Ende war sie wirklich happy, dass sich fuer sie endlich ein Ausweg ergeben hatte. Zum ersten Mal gab es so etwas wie eine, wenn auch ob der Konstellation sehr zerbrechliche, zaertliche Spannung zwischen uns. Diese hielt allerdings nicht lange an, dazu haette es vielleicht schon der ersten Zaertlichkeiten bedurft, zu denen ich aus jetztiger Sicht wieder zu feige war, denn der Deal galt ja nur fuer ein Mal Sex und nicht fuer ein paar Tage Liebespaar spielen. Haette ich in dem Augenblick den Mut gehabt, ihr ein wenig zu zeigen, wie es mit mir sein wuerde, vielleicht haette sich alles anders entwickelt.
So aber fiel ihr ein, als wir schon die Haelfte der Grenzkontrollen hinter uns hatten, dass ich ihr ja die vereinbarte Summe noch gar nicht gegeben haette.
Um die Ereignisse von hier an zu verstehen, muss ich noch erwaehnen, dass sie sich schon vorher einmal extrem ueber mich aufgeregt hatte, da ich staendig Angst hatte, dass sie sich mit meinem Zeug auf der Rueckbank aus dem Staub machen wuerde – einfach so oder, wenn ihr derzeitiger Lieblingslover anrufen wuerde, den sie staendig im einen Augenblick herbeisehnte und im anderen nie mehr wieder sehen wollte.
Ich war natuerlich immer noch total misstrauisch und anstatt ihr einfach das schon abgehobene Geld zu geben, erklaerte ich ihr nun, das das Geld in solchen Faellen ueblicherweise erst kurz vor dem Akt selber gezahlt wird, was natuerlich ein weiterer Fehler war, zumindest, wenn ich endlich ein bisschen mehr Entgegenkommen von ihr erreichen wollte.
Die Lage spitzte sich somit kurz vor der scheinbar letzten Kontrolle zu und ich wurde jetzt zum ersten Mal so richtig wuetend auf sie und nahm absolut keine Ruecksicht mehr auf irgendwelche Zuhoerer, die wahrscheinlich sowieso kein Englisch konnten, und auch nicht auf die Gefuehle der Frau neben mir: die Wut musste raus und ich schrie sie an und warf auch noch ihre Papiere, welche ich in der Hand hielt, mit Wucht auf ihre Seite.
Daraufhin war das Mass des Ertraeglichen fuer sie erreicht (vorher hatte auch ich schon mehrfach ueberlegt, dieses Experiment bzw. diese Art der Erfahrungsbereichung zu beenden) und sie wollte mich sofort rausschmeissen, liess sich dann aber, um unsere Lage mitten bei der Grenzkontrolle nicht noch zu verschlechtern, ueberreden, bis nach der Abfertigung zu warten. Dann, nachdem mein Pass extra gruendlich kontrolliert und ich ausgefragt wurde, wohin ich wollte, verweigerte sie sogar jegliche Kommunikation mit mir und es schien, als waere ich mit Sack und Pack ploetzlich und unerwartet in der Ukraine auf mich allein gestellt. Bis dahin konnte ich mich ja auf meine Dolmetscherin und Fahrerin verlassen und nun…ich sah die Gesichter der verwegenen Typen in den Autos neben uns vor mir und hatte natuerlich auch schon genug Gruselmaerchen ueber das Reisen fuer Westeuropaeer in der Ukraine gehoert. Eigentlich war ich aber bereit fuer dieses Abenteuer, genau fuer solche Erlebnisse war ich ja hierher gekommen.

Ich suchte mir zuerst einmal mit meinem Zeug auf dem Ruecken eine Toilette, welche ziemlich genau den Vorstellungen entsprach, die man zB mit russischen Gefaengnissen verbindet (ich fasste nichts an und meine Schuhe taten mir leid). Als ich wieder herauskam, rief aber, scheinbar froehlich wie eh und je, meine huebsche, „kleine“, leckere, weiche, warme, freche, traurig und ruhig machende, nervende, mich nicht schlafen lassende Polin nach mir. Ich sollte einsteigen, die Grenzkontrolle sei noch nicht vorbei und alleine wuerden sie sie nicht abfertigen. Ich sass also, nachdem noch vor einer Minute kein Wort mehr aus ihr herauszukriegen war, als ich mich entschuldigen wollte, wieder neben ihr, und wir bequatschen ziemlich normal, die Gruende fuer diese Wendung (auf einem der Zettel, die wir ausgehaendigt bekommen hatten, war die Anzahl der Insassen vermerkt) und unser Verhalten bei der kommenden Kontrolle. Die ukrainischen Grenzer hatten zum Glueck jede Menge Humor an diesem Tag (besonders als ich, als Deutscher, von der Polin als ihr Feind vorgestellt wurde) und ich konnte die Suesse, die mich nicht ranlassen wollte, dazu ueberreden, mich fuer 50 Zloty zur naechsten Stadt zu kutschieren, was zeigt, wie schlecht sie darin war, ihren ablehnenden Gefuehlen mir gegenueber, und die hatte sie mit hundertprozentiger Sicherheit, zu vertrauen. Man sieht aber auch, was alles passieren kann, wenn man sich entscheidet, das Ungewoehnliche zu tun, die Angst, die sich ja so gerne als Vernunft verkleidet, mal ausser Acht zu lassen.
Fuer die Frage, ob sie nicht doch noch mitkommen wollen wuerde, war es so kurz nach einem heftigen Streit auf alle Faelle noch zu frueh, dass war klar. Aber schon bald darauf versuchte ich es, und es war wesentlich leichter, als man erwarten sollte. Wir waren also wieder gemeinsam auf dem Weg nach Lwow, nervten uns, wenn wir uns verfuhren und auch sonst war unser Verhaeltnis natuerlich schon sehr beschaedigt. Nach meiner Einschaetzung haetten wir, waeren wir nicht beide vollkommene Gefuehlsidioten, keine halbe Stunde miteinander auch nur geredet.

Es tut mir leid, ich muss jetzt das ohnehin nur noch kurze Ende abkuerzen, denn das Hostel erwacht langsam:
Im Endeffekt liess der naechste groessere Streit gluecklicherweise noch bis in die Aussenbezirke von Lviv auf sich warten (es ging darum, wo man nach einem uns beschriebenen guten Motel suchen sollte) und sie schmiss mich raus, nicht ohne, dass ich vorher noch versuchte, sie wegen des ganzen Aergers noch ein bisschen zurueckzuaergern, und sie fragte, was sie wohl tun wuerde, sollte ich mich weigern, auszusteigen. Sie antwortete, dass sie zuerst weinen und dann die Polizei rufen wuerde, die in dem Augenblick, vernuenftig betrachtet, gluecklicherweise (in Mannschaftswagenstaerke) hinter uns stand.
Diesmal war es endgueltig und sie fuhr davon, waehrend ich es nicht lassen konnte, ihre vorher so geruehmte Schoenheit, noch einmal so richtig verbal mit Dreck zu bewerfen, genau wie bei der Trennung von meiner bisher einzigen, ebenfalls polnischen Freundin vor nun schon 12 Jahren.
Ich war wieder einmal ein richtiges Arschloch, und es tut mir nun auch wirklich leid, besonders, weil sie mir mehr als einmal von ihren Selbstmordgedanken erzaehlt hatte.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter 4 - Osteuropa, Abenteuer und Reisen, Geschlechtliches abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s