Ich muss los

Es kann losgehen. Alles, was ich brauche, liegt hier in meinem Zimmer bei meinen Eltern. Ich muss also nur noch alles einpacken und, was ich nicht mitnehme, wegräumen. So sollte es unmöglich sein, etwas wichtiges zu vergessen.
Allerdings weiß ich noch gar nicht, wie ich denn überhaupt fahre, denn darum kümmere ich mich erst, wenn alles fertig ist. Zuerst soll es sowieso nur nach Berlin gehen, weil man von da aus besser in Richtung Polen weiterkommt. Ich starte also auch schon so, wie die gesamte Reise verlaufen soll, möglichst einfach dem guten Gefühl folgend und vertrauend. Auf keinen Fall will ich mich stressen, indem ich versuche, irgendwelche festgelegten Etappenziele abzuarbeiten.
Etwas flau ist mir dabei schon zumute. Bisher war alles nur Planung und „Träumerei“, ab jetzt schlägt die Wirklichkeit zurück. In den letzten Tagen hatte ich die Abreise noch ein wenig „verschleppt“, da eine Auseinandersetzung mit meiner Mutter in der Luft lag. Aber irgendwie finde ich noch nicht den richtigen Dreh dazu bzw. hab einfach Angst davor. Dies könnte sich ja etwas bessern, wenn ich im nächsten halben Jahr so einige mulmige Situationen überstanden habe.
Dazu kommt allerdings das Gefühl, mich noch viel zu sehr selber wie meine Mutter zu verhalten, um zu einer Auseinandersetzung in der Lage zu sein. Bei meinem Vater ging es ja auch erst, als ich aufhörte, seine „Abscheu“ vor der „primitiven“ körperlichen Gewalt auch für mich zu übernehmen. Bei meiner Mutter könnte dieses zu meinem Nachteil übernommene Verhalten darin bestehen, dass ich meinem Gefühl („Instinkt“) zu wenig vertraue. Das fiel mir auf, als ich gestern bei mir am Fenster stand, weil ich ausprobieren wollte, ob ich mit meiner Kamera den Regen aufnehmen kann, als die mich nicht leiden könnende Nachbarstochter aus ihrer Tür trat. Jedem anderen wäre jetzt plötzlich irgendetwas eingefallen, was er ganz „dringend“ noch tun muss (ein Verhalten, was mir schon immer rätselhaft war), ich hingegen redete mir selbst ein, dass ich ja „wohl das Recht habe“, an meinem eigenen Fenster zu stehen, obwohl ich mich deutlich unwohl fühlte in dem Augenblick.
Man kann sich leicht vorstellen, dass Menschen misstrauisch werden, wenn sich jemand ständig so „merkwürdig“ verhält. So habe ich es zumindest oft mit Kollegen erlebt.
Ähnliches passierte, als ich in der letzten Woche doch einmal mit meiner Mutter bei Oma W. war, denn ich weigerte mich standhaft, den Versuch zu unternehmen, wie alle anderen meine Oma unterhalten zu wollen, eben weil ich mich dazu verpflichtet fühlte. Andererseits sagte mir mein Gefühl im selben Augenblick, dass ich genau das tun soll. Hier kann ich aber auch im Nachhinein nicht sagen, dass es besser gewesen wäre, dem Gefühl nachzugeben, denn auf der anderen Seite bin ich natürlich wütend darüber, dass in meiner Familie Unstimmigkeiten gerne und permanent unter den Teppich „gelabert“ werden.

Im Zusammenhang mit meiner Reise stellt sich natürlich die Frage, was ich tue, wenn ich Menschen, auf deren Hilfe ich oft angewiesen sein werde, schon misstrauisch gemacht habe. Werde ich lernen, ihre Hilfe nicht zu benötigen (schwierig, wenn die nächste Wasserstelle 50 km entfernt ist), oder werde ich mein Verhalten ändern?

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