Eskalation und so weiter

Ich werde dieses Blog noch weiterführen, trotzdem ich gemerkt habe, wie sehr ich versuche mich mit meinen intellektuellen Überlegenheitsgefühlen – und ihrer Ausbreitung auch hier –  über andere zu stellen, sie somit kleiner und mich größer zu machen.
Darauf gekommen bin ich nur durch eine heftige Auseinandersetzung mit meinem Vater, die ich schon seit längerem heraufziehen spürte. Nach zwei bei mir als Schlüsselreflex dienenden „Bleib-doch-mal-ruhig“-Aufforderungen waren wir beide nicht mehr zu bremsen. Die Szene endete mit einem Schlag auf seinen Bauch im fahrenden Auto, ein paar Tritten gegen dasselbe, Androhung von Schlägen, falls er mich noch einmal Arschloch nennt und einem 11-km-Spaziergang nach Hause meinerseits. Durch letzteren hatte ich Zeit ein wenig herunterzukommen und mir Gedanken über die neue Situation – eine so heftige Auseinandersetzung hatte es noch nie zwischen uns gegeben – zu machen. Das endete damit, dass ich mir vornahm, bei meiner Ankunft zu Hause einfach wieder zur Tagesordnung überzugehen, weil das dem natürlichen Verlauf in unserer Familie entspricht und alles andere nur verkrampft gewesen wäre.
Angekommen merkte ich, dass mein Vater ganz genauso entschieden hatte und war allerdings etwas erstaunt über die Reaktion meiner Mutter, die, ansonsten extrem neugierig, aus unserem Verhalten den Ernst der Situation erkannt gehabt haben musste und nichts weiter fragte, worauf ich ihr auch nichts erzählte von alledem.

Im Nachhinein stellt sich heraus, dass ich mit meiner Methode die Dinge kommen zu lassen und nicht zu versuchen, sie zu kontrollieren, genau richtig lag. Denn das „Ende vom Lied“ war, dass ich feststellen musste, dass mein Vater mit seinem Einwand, ich würde alle Schuld für meine Misere bei ihm bzw. meinen Eltern suchen, wenigstens halb richtig lag, da ich sie nur allzu gerne dazu benutze, meine ständig unterdrückte extrem große Wut im Bauch bei Ihnen auf die ein oder andere Art abzureagieren. Bei meinem Vater z.Bsp. indem ich mich geistig über ihn stelle und ihn das ab und zu merken lasse.
Ohne den „Knall“ hätte ich definitiv noch länger damit weitergemacht…andererseits habe ich gerade „entschieden“, wieder damit anzufangen, weil ich schon jetzt merke, wie mir für meine große Wut die Alternativen fehlen und ich durch das ständige Daraufachten, sie nicht an anderen abzureagieren, damit beginne, mich wieder vollkommen unterzuordnen und klein zu machen, was natürlich auch nicht sein kann.

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