Gedanken, die ihren Zweck erfüllten

Es ist drei Uhr. Ich habe einen Film geschaut und zwei Tassen Kaffee getrunken, aber das ist nicht der Grund, warum ich nicht schlafen kann. Die Tabletten (Antidepressiva), die ich nehme, scheinen dazu beizutragen, sie bewirken aber auch, dass die Tage nach schlaflosen Nächten recht angenehm sind – also keine übermäßige Erschöpfung oder Überdrehtheit.
Ich befinde mich zur Zeit in einer schwierigen Phase meiner Reise- und somit Wohnungsauflösungsvorbereitungen, denn nachdem das letzte Wochenende einigermaßen produktiv verlief, habe ich seit Montag kaum etwas geschafft. Ich hatte das Gefühl, dass es keinen Sinn macht, sich bei dem Versuch, sich durch die depressive Phase durchzukämpfen, aufzureiben. Schließlich will ich mehr zu mir selbst finden und das schafft man nicht, indem man sich Gewalt antut. Dies war diese Woche wieder einmal leichter gesagt als getan, denn ich hatte gerade erst am Wochenende festgestellt, dass ich auch meine Lethargie dazu benutze, Aggressionen zu vermeiden, die durch Selbstüberwindung bei unangenehmen Aufgaben (also aller Arbeit ;) entstehen. Und dennoch hätte ein „Augen-zu-und-durch“ nichts gebracht, denn ich bin so dermaßen darauf trainiert, Wut zu umgehen, dass ich sie selbst dann nicht wirklich zulassen würde, wenn ich mich zwingen würde, jemandem in die Fresse zu hauen. Das Resultat einer solchen Aktion, wäre vielmehr ein totales Desaster, sogar dann, wenn ich im Recht wäre, denn ohne jegliche Aggression ist eine Verteidigung welcher Art auch immer (also auch mit Argumenten) nicht möglich.
Der einzig gangbare Weg ist für mich jetzt, die Mechanismen der Aggressionsvermeidung langsam abzulegen, wozu aber auch die ständige Beschäftigung mit diesen Themen zählt, sowie meine zwanghafte Verhaltenskontrolle, die bewirken soll, ja keine Fehler zu machen. (Alle paar Tage ein, zwei Seiten zu tippen, erlaube ich mir aber dennoch.)
Ein Gedanke, der mir kam, war, dass ich es einfach riskieren muss, bei meinen Vorbereitungen und somit eventuell mit der ganzen Reise zu scheitern, bevor es überhaupt richtig losgeht. Der Gedanke, dass es auch einen Weg für mich in Deutschland gibt, er wirkt sehr entspannend, und somit dann wieder hilfreich für mich.
Ein anderer Aspekt, den ich nicht verschweigen will, ist, dass das ganze Unternehmen ja auch destruktive Seiten beinhaltet, immerhin sind mit Ausnahme Polens und der Slowakei (je nachdem, wo ich lang fahre), alle Staaten, die ich plane zu durchqueren, gefährlicher als Deutschland. So sehr ich hoffe, doch noch ein lebenswertes Leben für mich zu erlangen, so sehr befürchte ich doch auch immer wieder, dass ich dazu verdammt bin, wie Sisyphos ständig von vorne zu beginnen und nie voll in den Rausch des Lebens, wenn auch vielleicht nur zeitweise, eintauchen zu können.
Knallhart auf den Punkt gebracht würde das bedeuten, dass ich die notwendigen Anstrengungen auch auf mich nehmen könnte, um eine auf mich zugeschnittene Art des „Selbstmordes“ durch andere zu ermöglichen. Diese Destruktivität könnte sich aber ebenso auch als positiv erweisen, denn sie könnte nötig für mich sein, um mich in Situationen zu bringen, in denen ich gezwungen bin, meine bisherigen Muster des Fühlens, Denkens und Handelns zu durchbrechen.
Ob allerdings eine abwechselnd aus positiven und negativen Elementen bestehende Motivation funktionieren kann, bleibt erst einmal abzuwarten.

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