Neue Ehrlichkeit – ein Versuch

Mein Weihnachten ist vorbei und ich kann mich nicht beklagen. Ich habe es genossen, Zeit mit der engsten Familie zu verbringen. Die Töchter meiner Schwester sind zwar oft anstrengend, aber erst sie machen Familienfeste zu einer runden Sache, und das trotz eines kleinen Streits mit meiner Schwester über genau dieses Thema.

Aufgrund einer kurzen Ablenkung durch Telefon und dazugehörige email bin ich nun allerdings schon wieder vollkommen von dem abgekommen, worüber ich heute eigentlich schreiben wollte. Und um ehrlich zu sein, ich genieße es wirklich sehr, mich davon abzulenken. In diesem Punkt werden mich auch wohl die meisten Menschen verstehen, denn wer geht nicht gerne unbequemen Wahrheiten aus dem Weg.

Der chronologisch vorgehende Leser weiß ja bereits, das ich ein ziemlicher Angsthase bin, was mir meistens schon dann in Erinnerung gebracht wird, wenn mir in der Stadt halbwegs selbstbewußte Menschen begegnen. Also solche, die nicht gleich beim Anblick eines Entgegenkommenden am liebsten zur Seite springen möchten. So ängstlich zu sein ist sehr kontraproduktiv, wenn man „etwas darstellen“ bzw. „bewundert werden“ möchte, wozu man leicht mal neigt, wenn man wie ich über ein wenig verlässliches Selbstbewußtsein verfügt.
Diese persönliche Eigenschaft oder Schwäche würde als Handicap im Leben schon vollkommen ausreichen …

Freud lässt grüßen: ich schrieb zuerst ausWeichen anstatt ausReichen, was nur noch einmal bestätigt, wie sehr ich mich sträube, dem Folgenden ins Auge des Schreckens zu sehen: … ICH bin ein Schleimer …

Noch irgendjemand da? Würde mich nicht wundern, wenn nicht, denn die meisten Menschen hassen Schleimer. Und ich gehöre einhundertprozentig dazu (womit ich mich also selber hasse – nur so nebenbei).
Ich kenne diese Gefühl des Sich-Beliebt-Machen-Wollens jetzt eigentlich schon ziemlich gut und wahrscheinlich, weil ich es so hasse, kann ich absolut nichts dagegen unternehmen. Deshalb denke ich, um vielleicht eines Tages ein vielleicht nicht mehr ganz so großer Schleimer zu sein, müßte ich jetzt erst einmal ein… Na? – richtig: Schleimer sein. Aus vollem Herzen das Sich-Beliebt-Machen-Wollen umarmen und immer wieder vollkommen damit scheitern und … sich auch noch dafür lieben. Klingt ein bischen zu ironisch um so zu funktionieren, womit ich wohl schon wieder bei Gott und Glauben angekommen bin, der einzigen Antwort für solche Fragen. Sehr einfach – einfach glauben, was so beruhigend und wohltuend ist, aber eben auch sehr schwer für einen aufgeklärten, immer noch sehr wissenschaftsgläubigen Ostdeutschen, dessen Religion der Sozialismus sein sollte.

Das wäre raus, ich hoffe, jetzt wird es einfacher. Gut möglich, dass ich mich irre.
Als ich noch jünger und auch noch etwas dümmer war, dachte ich, ich wäre gut darin, andere Menschen zu verstehen und ihnen zuzuhören. Jetzt glaube ich, ich war gut darin, anderen Menschen Verständnis zu zeigen, ohne sie zu verletzen und ohne ihnen zu helfen. Später glaubte ich dann (und ich glaube es wohl immer noch), ich wäre gut darin, zu verstehen, warum Menschen so handeln, wie sie handeln, und ich machte mir viele Gedanken darüber, und ich sah, dass es gut war (Ironiewarnung!!!). Jetzt glaube ich, dass das nur eine intelligente (in dem Punkt hasse ich Bescheidenheit) Ablenkungsstrategie war, mit der ich mich, während ich dabei war, mich von den Menschen zu entfernen, ihnen nahe fühlen konnte.
Heute, also vielleicht seit einer Woche, seitdem ich im Internet über Versuche mit dem Hormon Oxytocin las, und wie leicht sich damit das Einfühlungsvermögen steigern lässt (mit einer Art Nasenspray!!!), also ganz frisch und ohne Garantie auf anhaltende Lebenserklärungssystemkompatibilität (dochdoch, das Wort macht Sinn :), also heute… ich denke ich habe es nicht, das Einfühlungsvermögen.
Laut den Berichten die ich las, ist das bei einer Reihe von psychischen Erkrankungen ein oft beobachtetes Symptom und es könnte auch bei mir passen.
Das klingt jetzt blöd. Muss ich nicht wissen, ob ich so bin oder nicht? Mit meinen jetzt 35 Jahren?
Ich bin mit solchen Dingen vorsichtig geworden, ich scheine mich in Bezug auf mich schon zu oft getäuscht zu haben.

In den letzten, ich weiß nicht, Monaten, Wochen jedenfalls, vielleicht seit ich mein neues Medikament nehme, bin ich wieder etwas zufriedener damit, dass ich so verkorkst bin, und ich fühle mich etwas wohler damit, allein zu sein, auf der Strasse angestarrt oder im Laden unfreundlich behandelt zu werden, und ich könnte mich auf einmal mit dem Gedanken anfreunden, die emotionale Reaktion eines anderen Menschen auf mich und mein Verhalten einfach viel schlechter erahnen oder verstehen zu können. Dies könnte auch ein weiterer Grund dafür sein, warum die Frauen mich nicht mehr wahrnehmen wollen. Nach allem was ich weiß, ist „denen“ so was wichtig.
Es könnte also so sein, dass, wenn ich so bin, wie ich bin, ich mich damit abfinden muss, dass ich andere schnell vor den Kopf stoße. Was sich noch dadurch verschlimmert, dass sich in meiner langen Zeit des Alleinsein, des Nichtverstandenwerdens, des Sichnichtöffnenkönnens und nicht zuletzt der Sexlosigkeit eine Menge Aggressionen angestaut haben, die ich immer wieder „tapfer“ unterdrücke und verdränge.

So, jetzt reicht´s mir wirklich für heute. Mittlerweile ist auch dem letzten meiner noch nicht vorhandenen Leserschaft (wirklich: null Aufrufe bisher) aufgefallen, das ich mich oft selber beobachte und dann gern darüber spreche bzw. jetzt schreibe PUNKT

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