Nächtliche Entschlussfreudigkeit

Dieses Blog, in seiner bisherigen Form, ist zu Ende. Es diente mir zur Ablenkung durch Fokussierung meiner Gedanken, weiterhin, um mir über ein paar Dinge klarer zu werden und ein klein wenig auch, um mit anderen Menschen Kontakt zu haben. Von nun an würde ich mir mit einem Weiterführen des Blogs selbst widersprechen, denn die für es nötige ultragenaue Form der Selbstreflektion betrachte ich ab sofort als schädlich oder zumindest unnütz für mich.

Die Geschichte dieser Seite begann mit einer schlaflosen Nacht und sie endete mit einer. In der Nacht des „Aufbruchs“ wanderte ich außerhalb des Dorfes meiner Eltern durch die Felder. Gestern Nacht nun wanderte ich online im Internet durch fünf Orte auf vier Kontinenten (hier). Als ich dadurch am Ende müde wurde und letztendlich einschlief, träumte ich davon, gegen einen mit Zaubertechnologie ausgestatteten LENIN zu kämpfen. Er gewann stets, töten konnte er mich aber nicht.

Gestern konnte ich eine Krise (ausgelöst durch die Ablehnung durch eine Frau) mit Hilfe anderer Menschen (der Familie meiner Schwester) hinter mich bringen. Vielleicht war das das Zeichen, dass nun auch hier in Deutschland für mich ein anderes Leben beginnt, eines in dem ich besser weiss, was ich brauche und was mir gut tut.
Auf alle Fälle bin ich seit gestern überzeugt davon, dass ich nun auch hier besser wirklich ich selbst sein kann, wie entfernt das dann auch von dem sein mag, was andere für richtig halten. Ein klein wenig hilft mir dabei auch die Tatsache, dass man mir nun, mit meinen fast 38 Jahren, ansieht, dass ich nicht mehr jung bin. Auf die attraktivsten jungen Frauen muss ich mir also keine großen Hoffnungen mehr machen, was auf mich eher entspannend als frustrierend wirkt, da ich hier sowieso nie eine Chance bei Ihnen hatte.

Die Frage, die sich noch stellt, wird sein, womit sich die oben genannten Funktionen, die das Blog für mich hatte, von jetzt an in meinem Leben ersetzen lassen. Das wäre ein Punkt, über den ich mir vorstellen könnte, noch einmal etwas zu schreiben. Ansonsten muss die Zukunft erweisen, ob ich für diese Seite noch eine sinnvolle Verwendung finden werde.

Ich bedanke mich bei meinen Lesern für ihr Interesse und wünsche ihnen alles Gute, was auch immer sie vorhaben.

Auf Wiederlesen.

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2013-05-13 – der Kopf ist wieder oben

22:30 Uhr: ich bin immer noch sauer auf diese Frau, die mich blockt als wäre ich ein Stalker. Aber ich wollte ihre Ablehnung nicht wahr haben und habe mich an einen Strohhalm geklammert. Und ich habe mir viel zu viele Gedanken bei der Antwort gemacht. Das wirklich Schlimme ist aber, dass ich mir immer viel zu viele Gedanken machen bei Frauen und sich deshalb wohl auch sobald nichts an meiner Einsamkeit ändern wird.

0:00 Uhr: ich habe gerade beschlossen, dass ich die Reha viel zu Ernst nehme, da ich wegen ihr krampfhaft versuche zu schlafen. Ich mache mir zuviele Gedanken und dabei wird nichts Gutes herauskommen. Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass ich jetzt einfach ins andere Extrem falle, mir also von nun an Gedanken darüber mache, dass es alles nicht so wichtig ist.

15:00 Uhr: irgendwie ging der Tag in der Reha rum. Am Anfang war´s noch interessant, weil wir einen kleinen Berufsfindungstest machten. Am Ende war´s dann wieder eintönig und mein noch von gestern arg in Mitleidenschaft gezogenes Selbstwertgefühl schwand fast völlig. Ich fühlte mich nur noch schwach und war gerade so noch in der Lage, mir klar zu machen, dass ich mein Wütendsein mal wieder gar nicht ertragen konnte.
Dazu war ich bei der Verabschiedung von den anderen auch noch wieder ein „supernetter“ Schleimer.

21:30 Uhr: ein bisschen soziale Kontakte und schon geht´s mir besser. Nach der Reha musste ich wieder einmal schlafen, eher weil ich deprimiert war als müde. Dann bin ich zu meiner Schwester, habe dort meine Wäsche gewaschen, versucht eine Lampe anzubauen, die scheinbar doch kaputt ist, und habe am Ende noch ein Sideboard abgestaubt, welches ich zuerst nicht haben wollte, weil es sehr groß ist.
Jetzt bin ich guter Stimmung und will mich sogar noch an meinen ALG-II-Antrag setzen. Jedenfalls ist die unsägliche Episode mit der Ollen aus dem Internet fast vergessen.

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2013-05-12

1:00 Uhr: ich bin gerade wieder nach Hause gekommen. Bis nach Wilmersdorf führte meine kleine Tour de BVG heute. Als ich beschlossen hatte, den Heimweg anzutreten, verbesserte sich auch meine Laune. Genau deswegen entschied ich mich um, weil ich sehen wollte, was passiert, wenn ich weiter draußen bleibe.
Natürlich wurde ich sogleich angespannter, aber es lohnte sich doch, denn ich kam später wieder drauf, wie ich mit der Wut und der Anspannung umzugehen habe, nämlich sie gar nicht zu beachten. Einen Tiefpunkt hatte ich in dem Augenblick, wo ich mich dann wieder nicht daran erinnern konnte, was ich gerade noch wusste. Mich beruhigte aber, dass ich schon zum zweiten Mal darauf gekommen war, denn ich war davon überzeugt, dass mir dass noch öfter gelingen würde, und ich die Einstellung immer mehr annehmen würde. Kurz darauf geschah das dann auch und ich konnte die Wut wieder gelassener nehmen, weshalb es mir am Arsch vorbei ging, als ein Typ in der Strassenbahn von mir genervt war. (Das beste war, dass er das merkte. :)

11:30 Uhr: 35km Rad. Eher langsam und nicht ohne leichte Schwächen zwischendurch, aber durch die höheren Anstrengungen und somit Trainings der letzten Zeit hielt ich besser durch als es üblich war für mich. In Tegel entdeckte ich eine Kirche, aus der auch viele Schwarze kamen. Ich fragte sogar ein paar Mädels, ob man bei den Gottesdiensten mitmachen kann. Man kann. Erstaunlicherweise beträgt die Fahrtzeit von Weissensee dorthin nur eine halbe Stunde.
Im Grunde bedeutet „Wut und Anspannung nicht zu beachten“, mich nicht zu beachten, also mich nicht ständig auf mich selbst zu fokussieren. Es ist also eine permanente Entspannungsübung, und natürlich kann das gerade bei mir nicht hundertprozentig auch „permanent“ funktionieren.

19:00 Uhr: mein zweites Schreiben an die Internetfrau hätte ich mir schenken können. Sie hatte schon ihre erste Antwort als Ablehnung gemeint. Jetzt werde ich von ihr blockiert, und ich hasse sie dafür.

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2013-05-11

20:30 Uhr: gerade ist alles falsch oder alles richtig. Zuviel Druck.

0:00 Uhr: da gerade wieder ein Motorrad mit der Lautstärke eines Flugzeuges an meinem Fenster vorbeiratterte, plane ich gerade wieder an meiner Schalldämmung fürs Fenster. Im Moment scheint ein innenliegender Fensterladen dabei herauszukommen.
Ausserdem habe ich gerade entdeckt, dass mir eine Frau von der Datingseite, die ich per Email angeschrieben hatte, geantwortet hat.

10:30 Uhr: also habe ich ihre Antwort natürlich soeben erwidert.

15:30 Uhr: schon wieder fühle ich mich so, als wäre mir die Frau aus dem Internet schon sicher, obwohl ihre Antwort auf meine Email mehr als kurz ausgefallen war. Schon jetzt ist also zu merken, wie schwer ich ein Scheitern nehmen würde, obwohl ich noch gar nicht weiss, ob ich sie überhaupt genug mag. Das Blödeste an dieser Herangehensweise ist, dass sie sich sogar kontraproduktiv auswirkt, was ich ja nun wirklich verhindern will.

19:30 Uhr: ich war laufen, wobei ich mir wieder einmal zuviele Gedanken über die richtigen Verhaltensweise machte. Zwar merkte ich, dass ich auch damit meine Wut/Aggressivität unterdrücke, konnte es aber dennoch nicht lassen.
Heute ist wieder mal so ein Tag, an dem ich rausgehen muss, einfach um nicht zu Hause zu sitzen. Bliebe ich zu Hause, würde ich doch nur Ablenkung suchen und im schlimmsten Fall grübeln.

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2013-05-10

6:30 Uhr: eine irre Nacht. Ich hatte gut gelüftet, dann aber beide Fenster geschlossen, weil auch noch jemand Feuerwerk machte. Aus 21 Grad um halb zwölf wurden so über Nacht wieder 24. Es war also warm, meine Beine waren eine Heizung für sich; laut, Motorräder drehten Runden; und richtig müde war ich auch nicht.
Bis ich das erste Mal einschlief, dauerte es ewig. Mein erster Traum war noch harmlos. Höhepunkt: ich lag erstaunlich ruhig unter rollenden Eisenbahnwaggons. Der zweite und letzte Traum war der reinste Irrsinn: menschliche Körper konnten gedehnt werden, Helmut Kohl machte Orientierungslauf und Schauspieler brachten sich massenweise gegenseitig um.

14:00 Uhr: da die Reha heute nur bis um 12 ging, konnte ich noch ins Jobcenter Pankow fahren und meinen neuen ALG-II-Antrag stellen. Als ich, schon nach Ablauf der Öffnungszeit, endlich dran kam, maulte mich die Mitarbeiterin dort erst einmal voll, wie spät es wäre und wie viele noch warten würden. Ich wehrte mich aber, weil ich durch die Reha ja eine gute Begründung hatte, und musste sie sogar erst einmal darauf bringen, dass ich ja den Antrag auch am Donnerstag, dem Tag für Berufstätige, abgeben könnte. Aber so ist das in Berlin, wenn deine „Kunden“ dir nicht weglaufen können.

20:00 Uhr: heute nachmittag habe ich natürlich geschlafen. Jetzt bin ich etwas deprimiert, weil es mir wieder nicht gelingt, aus den alten Mustern der Wutlosigkeit zu entkommen. Begonnen hat dies wie fast immer damit, dass ich es zu sehr will.

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2013-05-09

21:00 Uhr: ein bisschen durch Prenzlauer Berg gerannt. Einziges „Ereignis“: im Kaiser´s rempelt mich einer an, ohne sich zu entschuldigen, und ich sag: „kannste ma´ aufpassen… Arsch.“ Viel besser, als immer die Fresse zu halten. Weil´s ein Schnösel war, hat er nicht reagiert.

10:30 Uhr: ich bilde mir ein, besser zu werden beim Akzeptieren der Wut/Aggressivität. Ich muss jedenfalls nicht mehr immer sofort bewusst reagieren, wenn mir die Verdrängung auffällt. Leider habe ich aber auch gerade eineinhalb Stunden im Internet verbracht, was zumindest eine halbe Stunde zuviel war.

18:00 Uhr: ich war ein bisschen fleissig heute und ein bisschen faul. Also eigentlich alles in Ordnung für einen freien Tag, auch wenn ich durch Letzteres die Sonnenstunde am Nachmittag verschlafen habe.

21:30 Uhr: trotzdem war ich noch einmal 25km mit dem Fahrrad unterwegs. Meine Waden haben ganz gut mitgespielt. Dass sie sich von jetzt auf gleich gar nicht mehr bemerkbar machen, war ja auch nicht zu erwarten.
Unterwegs habe ich mit jemandem gemeckert, der bei Rot fuhr und nicht einmal geguckt hat. Ich bin da nicht stolz drauf, sondern sehe es so, dass man bei einem normalen Umgang mit Aggressionen auch mal übers Ziel hinausschiesst, gerade als miesepetriger Deutscher.

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2013-05-08

21:00 Uhr: sehr unruhig, angespannt, nichts gegessen, früh ins Bett. Konnte aber wegen der Wärme schlecht schlafen.

8:30 Uhr: fühle mich schlaff, aber auch irgendwie trotzig. Was kann ich dafür?

12:30 Uhr: heute gab´s ein Einzelgespräch mit einem Mitarbeiter für jeden in der Gruppe. Obwohl mein Praktikumsvermittler skeptisch war, wegen meiner Idee, ein Praktikum in einem Kindergarten zu machen, gefällt mir der Gedanke immer besser.
Danach bin ich Schwimmen gegangen. Trotzdem ich sehr verkrampft war, lief es sehr gut, denn allein das Wissen, dass ich aufgrund der verdrängten Wut angespannt bin, half, einen Teil der Wut loszuwerden. Dieses Mal ohne das ich mir groß bewusst wurde, was genau abläuft, sondern irgendwie automatisch. Auf dem Nachhauseweg mit dem Fahrrad habe ich die Anspannung (Verkrampfung) in meinen Beinen genauso behandelt und noch mehr Wut rausgelassen. Schon Ende letzten Jahres, als ich gerade sehr selbstsicher war, hatte ich das Gefühl, dass ich nur „verkrampfte“ Beine habe, weil auch die körperliche Anstrengung für mich eine „unerlaubte“ Demonstration von Stärke ist. Wäre schön, wenn ich in der Richtung weiter komme.

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2013-05-07 – der alte Stress

20:30 Uhr: die Idee den Lärm mit einem Deckbett am Fenster zu bekämpfen scheint ganz gut zu funktionieren. Jetzt habe ich mit der permanenten Lösung dafür nicht so großen Stress.

6:00 Uhr: apropos Stress. Seit gestern habe ich einen herpesähnlichen Ausschlag im Mundwinkel. Mein Körper will mir etwas sagen und ich werde es sogleich beachten – und selbst darin noch Gefahr laufen, zu perfekt sein zu wollen.

17:30 Uhr: zu Hause erst einmal wieder schlafen, heute aber schon etwas kürzer. Als ich aufwachte, war ich verzweifelt, weil ich nicht davon überzeugt bin, die in der Reha an mich gestellten Anforderungen erfüllen zu können. Im Moment erhalte ich nach außen hin die Fassade, aber dahinter bröckelt es. Ich fühle mich besser, wenn ich es bröckeln lassen darf. Dazu braucht es den Mut, das Risiko einzugehen, vor den anderen wirklich ehrlich zu sein, auch, wenn sie mich deshalb nicht mögen sollten.
Was an den Infos, die wir zur Zeit erhalten, besonders nervt, ist die Fokussierung auf den „Job“, der das grosse Ziel ist. Das führt zu Druck, den ich nicht brauche, der sogar kontraproduktiv ist, weil ich mich nicht zwingen lassen will, vor allem, weil es nicht nötig ist, mich zu zwingen. Ich will Arbeit, aber eben nicht aus dem Grunde, der anonymen „Gesellschaft“ Kosten zu ersparen, weil das für mich einem menschenverachtenden Menschenbild entspringt. Ich will Arbeit, weil ich etwas kann, vor allem, weil ich mehr kann, als nur Geld zu generieren, und weil ich das beweisen möchte.

20:00 Uhr: im Nachhinein ist mir noch einmal aufgefallen, dass ich heute bei der Reha auf eine Konfrontation nicht mit Gegenwehr reagiert habe. Ein anderer Teilnehmer schien mir etwas genervt von meiner schwammigen, weil nichts ausschliessen wollenden Ausdrucksweise. Ich habe das in dem Augenblick gar nicht so wahrgenommen und ihm einfach auf seine Fragen geantwortet, wodurch ich ihn am Ende besänftigen konnte. Zufrieden bin ich mit der Lösung allerdings nicht, weil ich weiss, dass sie nicht von Dauer sein wird. Wenn ich jetzt an die Gruppe der Teilnehmer denke, empfinde ich bereits Stress und bin angespannt.

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2013-05-06 – es grummelt

5:00 Uhr: ich wache auf mit dem Gedanken, dass ich ab jetzt wieder verantwortungsvoll handeln muss, was allerdings übersetzt nichts anderes heisst, als dass ich ab sofort wieder meine Wut unterdrücken soll. Das kommt natürlich nicht in Frage, auch wenn allein die Idee schon klar macht, wie sehr die „Wutlosigkeit“ immer noch ein Teil von mir ist.

15:00 Uhr: der erste Tag Reha ist rum, natürlich mit Vorstellungsrunde, Belehrung, Organisatorischem und einem ersten Ausblick auf den Ablauf. Dabei hab ich wieder viel auf Verdrängung geschaltet, es aber auch oft mitgekriegt und ein wenig gegengesteuert. Danach hab ich mich gefühlt wie nach drei Tagen mit meiner Familie, also angespannt, und zwar so, dass der erste Gedanke war: schnell nach Hause und Wichsen, um ein bisschen entspannen zu können.
Ich habe es aber immerhin geschafft, nicht viel zu schleimen. Die anderen, die ja auch alle ihre Probleme haben, haben sich bisher auch noch nicht miteinander verbrüdert, so dass ich noch ein wenig Zeit habe, bevor der Neid und die Aggressionen deswegen steigen würden. Pech hatte ich allerdings mit der Zuteilung der Mitarbeiter, weil ich zweimal jeweils die bzw. den unerfahreneren und weniger sicheren abbekommen habe.

19:00 Uhr: nachdem die letzte Nacht mit viereinhalb Stunden nur kurz war, hatte ich erst einmal geschlafen und mich dann rasiert. Nun ist mir vor Nervosität etwas flau im Magen, wie auch schon heute morgen, und ich würde gerne laufen, allerdings sind meine Waden etwas verkrampft wegen des vielen Sports und des wenigen Schlafes am Wochenende.
Ich fühle mich sehr unter Druck gesetzt, auch ja das Richtige zu tun, um die Wut abzubauen und eine „erfolgreiche“ Reha machen zu können. Dem darf ich nicht nachgeben, denn das würde meine Anspannung nur verschlimmern.

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2013-05-05 – der Tag vor meiner Reha

5:30 Uhr: die Party in der Kneipe in meiner Straße ist zu Ende, aber bevor die Besoffenen entschieden haben, wo sie nun hin wollen und wer mit wem fährt, dauert es seine Zeit. Schallschutz für mein Fenster hat oberste Priorität.

10:30 Uhr: ich habe meiner Schwester die Leiter zurück gebracht. Sie erzählte mir zwar vom Stress mit ihrer Kleinen, liess es aber natürlich so klingen, als wäre alles in Ordnung. Spätestens, als die Kleine beim Einsteigen ins Auto wieder ihren eigenen Willen durchsetzen wollte, merkte ich aber deutlich, wie gestresst sie war, was sofort zur Folge hatte, dass ich wegen ihrer unterdrückten Wut wütend wurde und die Wut natürlich auch unterdrückte, vor allem mit „Überlegungen“ dazu.
Ich konnte aber ein bisschen merken, dass ich praktisch das Gleiche tat, was mich an meiner Schwester nervt, und konnte ihr Verhalten so ein wenig besser verstehen. Das war auch der Grund, warum ich mich mit „guten Ratschlägen“ und „Hilfe“ zurückhielt. So lange ich selber ganz automatisch genauso reagiere wie sie, ist jede Einmischung kontraproduktiv, weil die dann von mir angestrebte „Lösung“ ja wieder die von mir im Grunde noch gewünschte Wutunterdrückung beinhalten muss. Vielmehr muss ich sehen, dass ich nicht versuche, der aufkommenden Wut durch Rückzug aus dem Wege zu gehen, was bisher die einzige für mich erkennbare Möglichkeit war, diesen unangenehmen Situationen in meiner Familie zu entrinnen.

16:30 Uhr: ich muss an den Satz meiner ersten Therapeutin denken, dass ich immer schlecht drauf wäre, wenn ich bei meinen Eltern war. Wichsen und danach Schlafen ist so typische Verdrängung, dass ich mich nicht wirklich freue, damit meinen Sonntagnachmittag verbracht zu haben. Und noch immer ist „die Wut rauslassen“ nur so eine Idee in meinem Kopf, mit Ausnahme der wenigen Boxschläge gleich nachdem meine Schwester gegangen war.

18:00 Uhr: ich hab´s doch noch geschafft. Habe ein bisschen die Hanteln geschwungen und bin dann mit dem Fahrrad los. Ich war kaum fünf Minuten unterwegs, als mich ein Typ aus seinem Cabrio volllabert. Ich verstand allerdings nicht, was er sagte, weswegen ich nicht wusste, ob er mich überhaupt meint, und dachte, dass er vielleicht telefoniert. Jedenfalls hab ich nicht reagiert und dann versucht, mich nicht hineinzusteigern. Allerdings hat es mich doch wütend gemacht, was ich aber mit ein paar kräftigen Tritten in die Pedale und einer Bemerkung an einen Inline-Skater („Nazi“), der rechthaberisch auf dem Linksfahrgebot bestand, ganz gut in den Griff bekam.

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